MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Peter Band
Stur und ohne Angst vor Konsequenzen
Heidestr. 267
06849 Dessau-Roßlau
Fon: 0340 / 8581254
Der 1953 geborene Peter Band wuchs in einem Elternhaus auf, das dem DDR-Staat kritisch gegenüber stand. So manifestierte sich bei ihm schnell der Wunsch, dieses Land einmal zu verlassen. Bereits in der Schule wehrte er sich gegen Diktat, boykottierte den Russischunterricht, weil man ihm den Englischunterricht versagte. Er sann darüber nach, sich nach Abschluss der Lehre als Dreher, für 10 Jahre zur Marine zu verpflichten. Aus seiner Sicht eine Chance vielleicht einmal dabei die Möglichkeit zu haben, der DDR den Rücken zu kehren. Doch es kam anders. Abgelehnt für diesen Dienst, warb man ihn trotzdem für eine 10-jährige Verpflichtung und das Fliegen eines Hubschraubers. Gerne ließ er sich überzeugen, denn das schien ihm noch besser geeignet seine Pläne zu verwirklichen. Aber sein streitbarer Geist und sein immer wieder vorkommendes Aufbegehren durchkreuzten sein Vorhaben. Nach dem Installieren eines Fernsehers in der Gruppenunterkunft und Empfang von Festfernsehen, degradierte man ihn, ließ ihn nicht mehr fliegen und forderte damit seinen Willen zum Verlassen der Armee heraus. Nach vier Jahren stand er damit dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung. Auch wenn man in den Betrieben seine Arbeitseinstellung und seine Arbeitsergebnisse schätzte – einen Kollegen mit Ausreiseantrag (1976) und die behördlichen Kontrollen und Auflagen deshalb, wollte niemand lange ertragen. So war er in vielen Betrieben nur kurz tätig, scheute sich vor keiner Arbeit, brillierte mit schneller Auffassungsgabe und Fleiß. Er arbeitete als Stahlbauschlosser, Kellner, Maler und Tapezierer, auf dem Bau und in der Kartoffelernte. Der Ausreiseantrag wurde „bearbeitet“, erfuhr jedoch keine Genehmigung. Peter Band blieb aktiv, nahm Briefverkehr in alle Welt auf, kontaktierte politische Hilfsorganisationen, sprach an der Autobahn Bundesbürger gezielt auf Zeitungen und Zeitschriften an, deren Inhalte er nutzte für seine Ziele neue Ansprechpartner zu finden. 1982 wurde er erstmals wegen staatsfeindlicher Tätigkeit inhaftiert und zu 2 ½ Jahren Haft verurteilt. Der Empfehlung seines Rechtsanwaltes folgend, nahm er den Ausreiseantrag zurück, führte an, für seine Familie da sein zu wollen (Frau Adelheid, Tochter Moreen sowie drei weitere Kinder der Frau) und wurde vorzeitig entlassen. Innerlich hatte er seine Einstellung jedoch nicht geändert, trat öffentlich in Erscheinung als Ratgeber für andere Ausreisersuchende und kam somit 1988 erneut in Haft, aus der er freigekauft wurde. Monate später folgten seine Frau und seine Tochter ihm in die BRD. Heute lebt er getrennt von beiden, denn während er 1991 in seine Geburtsstadt Dessau zurückkehrte, blieben Frau und Tochter in den alten Bundesländern. Peter Band hat gearbeitete, geträumt, gestritten, durchgesetzt. Er ist sich dabei immer selbst treu geblieben und hat dabei auch ein Stück seiner Gesundheit verloren. Als EU-Rentner hält er auch heute nicht still, nimmt Gelegenheitsjobs an, hilft im Freundeskreis. Ein Kritiker ist er geblieben und weit weg davon, das heutige System zu glorifizieren. Ihn haben Lügen schon immer geärgert und ehrlicher ist die Welt nicht geworden....