MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Elli Bahrmann
Das Mehr-Generationen-Haus
Am Grund 15 04758 Oschatz OT Thalheim
Man kann es sich nicht mehr vorstellen, was Menschen wie Elli Bahrmanns Mutter und Tante durchmachen mussten, als sie 1944 aus dem heutigen Polen vertrieben wurden und bei minus dreißig Grad zu Fuß die Flucht antreten mussten. Elli selbst hatte zuvor die Möglichkeit noch mit einem Zug nach Oybin in die Obhut einer Schwester ihrer Mutter zu fliehen. 1945-1946 gab es keine Schule, so dass die kleine Elli von der ersten Klasse nach dem Krieg gleich in die dritte kam. Ihren Lernergebnissen hat das keinen Abbruch getan. Sie legte 1956 an der Erweiterten Oberschule (EOS) das Abitur ab und nahm an der DHfK in Leipzig ein Sportstudium auf, das sie 1961 abschloss. Die Zweitfachausbildung Russisch erfolgte an der Karl-Marx-Universität. Sie selbst war im Leistungssport aktiv in der Leichtathletik, Disziplin Kugelstoßen. 1960 hatte sie ihren Mann Arndt geheiratet und nahm Wohnort bedingt, 1961 ihre erste Stelle als Lehrerin in Schonnewitz an. Sie wechselte 1964 nach Nauendorf im Kreis Oschatz und blieb hier, unterbrochen von mehreren Delegierungen an die EOS Oschatz, bis 1995 tätig. In dem Jahr ging sie in die Altersteilzeit. Dem Sport blieb sie in all den Jahren treu. Als Gründungsmitglied des aus einer Schulsportgemeinschaft hervorgegangenem Sportverein SV Traktor Nauendorf (gegr. 01.01.1968), begleitete sie diesen über die Jahre und erlebte das Wachsen (bis auf 500 Mitglieder) und Stabilisieren (heute 260 Mitglieder) hautnah. Volleyball- und Fußballmannschaften sind integriert, eine starke Frauengruppe, die jung mit dem Training begann und heute als Gruppe mit 60- bis 80-jährigen Sport treibt zählt ca. 40 Aktive. Auch moderne Sportrichtungen werden angeboten. So hat der ZUMBA teilweise bis 90 Menschen in seinen Bann gezogen. 35 Jahre lang war Elli Bahrmann Vorsitzende des Vereins und freut sich, indessen einen
Nachfolger gefunden zu haben. Ihre Erfahrungen die sie als Fachberater Sport und damit verantwortlich für den Sportunterricht aller Schulen, gesammelt hatte, stellte sie in den Dienst des Vereins. Ausgezeichnet wurde sie für ihre verdienstvolle Arbeit mit der Ehrenplakette des Landesverbandes für Sport. Beruflich erreichte sie die Berufung zur Oberstudienrätin. Erreicht hat sie alles mit der ihr eigenen Zielstrebigkeit und Ehrlichkeit. Heute verbringt sie am liebsten ihre Freizeit mit der Familie. Das ist gut möglich, wohnt sie doch in einem Mehr-Generationen-Haus und hat so den ständigen Kontakt zur Tochter Birgit, Sohn Ralf, den beiden Enkeln und dem Urenkel.