MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Brigitte Goldammer
„Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist.“ (Johann Strauß)
Büroangestellte, Lohnbuchhalterin
Bahnhofstr. 52
09306 Rochlitz
Das Mädchen Brigitte Arnold wurde 1938 in Dittmannsdorf nicht gerade in reiche Verhältnisse hineingeboren, wie sie berichtet. Die Großeltern hatten mit Hilfe einer Bank ein kleines Stücken Land erworben, bewirtschafteten dies und zusätzliches Pachtfeld gemeinsam. Im Winter sorgte die Großmutter mit Weißnäherei für weiteres Einkommen. Doch der Großvater verunglückte 1943 tödlich und so musste Brigittes Vater das Grundstück übernehmen. Aber der befand sich selbst gar nicht zu Hause, war im Krieg. Erst 1947 kehrte er zurück und sah sich großen Herausforderungen gegenüber. Brigittes Mutter und die Großmutter hatten das Grundstück nicht gut alleine erhalten können. Viel musste erneuert und repariert werden, in einer Zeit wo es nicht viel gab und materielle Mittel sowieso nicht vorhanden waren. Die Großmutter wohnte nun – selbst mittelos, denn sie bekam keine Rente – mit bei den Eltern. Brigitte erlebte und lernte so äußerste Bescheidenheit, obwohl sie als Einzelkind aufwuchs und erhielt damit eine lebenslange Prägung. 1944–1952 besuchte sie die Schule. Einen eigenen Berufswunsch entwickelte sie in dieser Zeit nicht. Ihr war bewusst: Sie wurde in der Landwirtschaft der Eltern gebraucht. Zeitig hatte sie dort helfen müssen. Doch auch die vielen gesellschaftlichen Verpflichtungen ihres Vaters hatten Eindruck hinterlassen. So kam es schließlich, dass sie in der Gemeindeverwaltung tätig wurde (1954–1962) und darüber hinaus in der elterlichen Landwirtschaft mit zupackte. Ungelernt in der Buchhaltung eingesetzt lernte sie in der Praxis von der Pike auf dieses Metier. 1956 heiratete sie ihren Mann Wolfgang (verstorben 2013). Die Söhne Roland (geb. 1956) und Gerald (geb. 1958, tödlich verunglückt 2017) wuchsen bald der Familie zu. Durch ihren Umzug nach Rochlitz wechselte Brigitte Goldammer ab 1962 in den VEAB Rochlitz (Volkseigener Erfassungs- und Aufkaufbetrieb), arbeitete hier in der Rechnungslegung. Ende er 60-er Jahre wurde die VEAB aufgelöst und Brigitte Goldammer vom Fleischkombinat Chemnitz übernommen. Hier fand sie nicht nur weitere Beschäftigung, sondern auch Qualifizierung zur Lohnbuchhalterin. Nach 20 Jahren waren persönliche Gründe Anlass zum erneuten Arbeitsstellenwechsel in das Dienstleistungskombinat „Haus der Dienste“. 1985 abgeworben in einen Laden der Post für Zeitschriften und Bücher, arbeitete sie hier bis 1995. Wendebedingte Strukturänderungen führten zum Inhaber- und damit Arbeitgeberwechsel und letztendlich zur Schließung des Geschäfts. Einem halben Jahr Arbeitslosigkeit folgte eine vorübergehende Beschäftigung innerhalb der „Aktion 55“ (Förderung Arbeitnehmer, Rentner Vorruheständler im Alter von 55–60 Jahren) die schließlich in einer Saisontätigkeit mündete und damit glücklicherweise die Zeit bis zum Erreichen der Rente verkürzte. Heute blickt die Rentnerin gerne und dankbar auf ihre Arbeitsleben zurück. Sie konnte in der Zeit Anerkennung und Respekt erfahren und Freunde gewinnen, wie z. B. die Familie Baumbach, deren menschliche Qualitäten sie sehr schätzt. Zweimal im Jahr fährt sie mit ihrer Bekannten Margitta nach Bad Elster und nimmt an Kulturveranstaltungen teil. Die großzügige Frau ist stolz auf ihre Kinder und ist dankbar, dass sie Harmonie in der Familie und Arbeitsplatz erfahren durfte. Sie liest gerne und viel, genießt ihre Zeit mit Freunden und ihr größter Wunsch ist eine stabile Gesundheit für ihren Sohn Roland.