MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Winfried und Rosemarie Goldbach

„Wenn wir Freude am Leben haben, kommen die Glücksmomente von selber.“ (Ernst Ferstl)

Winfried und Rosemarie Goldbach

Korbmacher, Besteckarbeiter, Brieftaubenzüchter
Industriekauffrau
Riesaer Str. 40
04720 Zschaitz Ottewig OT Goselitz
Fon: 034324 / 22625

Winfried Goldbach, als einziger Sohn einer Kolonialwarenhändlerin 1939 geboren, erzählt von dem früheren Krämerladen im heute bewohnten Haus. „Seifenpulver stand neben den Bonbons in den großen Gläsern. Daraus habe ich immer stibitzt“ erzählt er lachend und davon, dass 1949 durch die Gründung der Konsumgenossenschaft die Ära des eigenen Ladens für die Mutter endete. Der Stiefvater hatte Arbeit, die Familie eine kleine Landwirtschaft, der Junge musste keine Not kennenlernen. Bei einem Korbmacher in Döbeln erlernte er nach der Schule den Korbmacher-Beruf und arbeitete ein Jahr lang als solcher. Doch ein Stundenlohn von 0,98 Pfennig war nicht verlockend, weshalb der junge Mann in die nahe Besteckfabrik wechselte. Hier hatte seine Frau Rosemarie (geb. 1942, geb. Günther, Tochter der Besitzer der Großbauchlitzer Mühle) nach der Schule den Beruf Industriekauffrau gelernt und arbeiteten die jungen Eheleute (Hochzeit 1963) fortan gemeinsam. Erst privater Betrieb mit 30 Beschäftigten, dann halbstaatlich wurde der VEB Besteckfabrik Döbeln später dem Kombinat Auer Besteck- und Silberwarenwerke zugeordnet. Der Produktion von hochwertigen Silberbestecken folgte die von versilberten Teilen mit 60er und 90er Auflagen und später die von Aluminiumbestecken. Bis 1988 waren die Goldbachs im Werk tätig. Dann folgte die Übernahme in die Rationalisierung. Mit der Wende und den einhergehenden Strukturänderungen kam es zu massivem Stellenabbau (Arbeitskräfteanzahl halbiert) und Herr Goldbach kamen vorerst in eine Auffanggesellschaft. Winfried Goldbach wurde nicht mehr in den Arbeitsprozess eingeordnet, weil gesundheitliche Probleme in die Berufsunfähigkeit und entsprechende Berentung führten. Rosemarie Goldbach ereilte ähnliches Schicksal. Auch sie erhielt ihre Entlassung im Februar 1989 (nach über 30 Jahren Betriebszugehörigkeit: 1958–1989), fand aber eine neue Arbeitsstelle bei der Firma VEB Reco Mieder Döbeln. Familie Goldbach hatte fortan mehr Zeit für ihre Hobbys – Garten und Taubenzucht. 60 Jahre ist Winfried Goldbach im Brieftaubenverein aktiv. 50 Jahre war er auch Mitglied im Geflügelzuchtverein. Er erinnert daran, dass es in der DDR nicht einfach war Brieftauben zu halten. Man musste im Verein gemeldet und polizeilich zugelassen sein. Das sollte Spionagetätigkeit mit den Tieren verhindern, die es belegbar wirklich gegeben hat, wie er berichtet. Auf viele sportliche Erfolge kann er verweisen, Pokale vorzeigen die errungen wurden. Die Leidenschaft für die Brieftaubenzucht hat Winfried Goldbach an Sohn Frank (geb. 1969, Elektriker, eine Tochter) weitergegeben. Familie Goldbach ist stolz auf das Geschaffene, vor allem darauf das Haus 1993 komplett in Eigenleistung umgebaut zu haben. „Wir haben uns damit etwas geschaffen, wo wir uns heute gut erholen können. Dass unser heimatverbundener Sohn mit eingezogen ist, freut uns sehr“ sagt Winfried Goldbach. „Wir bauen selber alles an im Garten“ erzählt seine Frau, die früher gerne Gärtnerin geworden wäre, es aus gesundheitlichen Gründen aber nicht konnte. Bedauern tun beide nur das immer mehr verloren gehende Landleben in der Region. Selbst den Seniorenverein in dem Rosemarie Goldbach aktiv war, gibt es seit 2017 nicht mehr. Und auch die Infrastruktur auf dem Land wird immer schlechter. Doch ansonsten fühlen sich beide wohl in der ruhigen und schönen Umgebung.
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