MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Renate und Karl Glöckner
Eisern durchgehalten
Heimarbeiterin
Fleischer, Möbelarbeiter
Am Eulenbach 7b
09661 Hainichen OT Eulendorf
Nur noch wenige Zeit, dann besteht für Familie Glöckner die Chance, die Feier der „Eisernen Hochzeit“ auf den Plan zu setzen. Die Jahre seit der Heirat 1954 sind sie einen gemeinsamen Weg gegangen, der von viel Arbeit geprägt war, doch die Schönheiten des Lebens keinesfalls hintanstellte. In Eulendorf (seit 1994 Ortsteil der mittelsächsischen Stadt Hainichen) kam Karl Glöckner schon 1931 zur Welt. Noch immer wohnt er in dem Haus, das seit der Geburt sein Leben bestimmte. Die Kinderzeit im Kreis der insgesamt acht Geschwister wurde durch den frühen Verlust des Vaters geprägt, dieser starb, als der kleine Karl, der jüngste Sohn, erst drei Jahre alt war. So wuchs die Familie in recht bescheidenen Verhältnissen auf. Die wirtschaftliche Lage erforderte, dass auch die Kinder in Haushalt und Wald im Einsatz waren, beim Bauern die Kühe hüteten. Die achtjährige Schulzeit führte den Jungen in den Nachbarort Bockendorf. Als er 1946 die Schule abgeschlossen hatte, nahm er eine Lehre zum Fleischer in Hainichen auf. Beim privaten Meister erhielt er das Rüstzeug für sein folgendes Berufsleben. Auch die Begleitung von Viehtransporten (im Bremserhäuschen des Waggons) gehörte zu seinen Aufgaben. Nach Lehrabschluss 1949 arbeitete er im Schlachthof Chemnitz und in einer Wurstfabrik. 1956 wechselte er zur damals neuen Konsumfleischerei in Hainichen. Als diese wieder geschlossen wurde, fand er bei zwei Jahre im Bereich Energieversorgung sein Auskommen, dann entschied er sich für den VEB Möbelfabrik Hainichen. Hier begann er als Transportarbeiter, wurde dann am Fließband eingesetzt. 1990, die Möbelfabrik wurde wenig später geschlossen, ging er in den Ruhestand. Im Eulendorfer Gasthof hatte er seine Frau Renate einst beim Tanz kennengelernt. Acht Kilometer weiter im Tal der Großen Strieges liegt Bräunsdorf (heute Ortsteil von Oberschöna), wo sie als Renate Hahn 1933 geboren wurde. Als Einzelkind, der Vater war bei der Bahn beschäftigt, erlebte sie (Krieg, Nachkriegsjahre) auch knappe Zeiten, half schon als Kind der Mutter, wenn diese beim Bauern arbeitete. Acht Jahre ging sie in die örtliche Schule, war dann beim Bauern in Stellung, anfangs in Riechberg, dann in Eulendorf. So lernte sie den Ort kennen, der dann ihr Leben bestimmte, als sie mit Karl Glöckner eine Familie gründete. Dazu gehört der 1952 geborene Sohn Siegfried. Renate Glöckner arbeitete weiter in der Landwirtschaft, wurde dann in Heimarbeit für die Matratzen- und Möbelindustrie tätig. Heute, da gesundheitliche Probleme seit einigen Jahren das Leben belasten, bleibt ihnen die Kraft, in Haus und Hof für Ordnung zu sorgen, und die Freude, die drei Enkel und ersten Urenkel aufwachsen zu sehen.