MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Horst Glöß
„Wenn was entsteht, dann bin ich dabei....!“ (Horst Glöß)
Diesellokschlosser
Meister für Schienenfahrzeuge
Altbürgermeister Gemeinde Rossau
Feldstr. 3
09661 Hainichen
Horst Glöß wurde 1941 in eine wohlsituierte Familie hineingeboren. Den Eltern ging es gut. Sein Vater entstammte einem sehr betuchten Elternhaus und verfügte als Bahnangestellter über eine so gut bezahlte Tätigkeit, dass die Mutter nicht arbeiten brauchte. Versetzt zur Bahnpolizei nach Komotau (heute Tschechei) entging er zudem der Pflicht zum Militärdienst. Doch die Kriegsereignisse und -folgen setzten diesem beschaulichen Leben ein Ende. Der Ort Komotau wurde mehrfach bombardiert, mit Kriegsende herrschte zudem die Angst vor den Alliierten. Horst Glöß erinnert sich daran mit seiner Mutter vor den Bomben Schutz im Brauhauskeller (20 m unter der Erde) gesucht zu haben, einmal 14 Tage durchgängig im Luftschutzbunker verbracht zu haben. Ihm klingen noch die Schreie derer im Ohr die in den zerbombten und brennenden Häusern den Flammen nicht entkommen konnten. Und er erinnert sich, dass das den traumatisierten, überlebenden Menschen gar nicht mehr ins Bewusstsein drang. Leichenberge sah der kleine Junge, zusammengetragen und entzündet, in Eimern gesammelte einzelne Gliedmaße – einschließlich abgetrennter Kinderfüße.....So jung an Jahren brannten sich diese grausamen Dinge tief in den Kopf von Horst Glöß. 1945 musste die Familie die Heimat verlassen. In Hainichen ließ sie sich nieder. Der Vater wurde zur Begleitung von Zügen mit Reparationsgütern gen Russland herangezogen. Die erst schwangere dann junge Mutter blieb mit dem Sohn, dem Hunger und der Sorge um die Zukunft allein zurück. „Ich hätte mir nie vorstellen können, dass es in Deutschland einmal wieder Leute geben würde, die das vergessen.....“ sagt er. 1948–1956 besuchte er die Schule und erinnert sich: „Manchmal hatten wir früh keinen Lehrer, die waren in der Nacht in den Westen abgehauen....“ und weiter, dass es für die Schüler eine Tasse Kaffee gab und später ein schwarzes Brötchen – eine Errungenschaft! Da der junge Horst Braumeister werden wollte, wurde er zur Mittelschule delegiert. Braumeister wurde er danach nicht, durchlief stattdessen eine sehr fundierte und praxisbezogene Lehre zum Diesellokschlosser mit der Bestnote „1“. Zwei Jahre diente er in den Reihen der Armee, kehrte dann in das RAW (Reichsbahnausbesserungswerk) zurück. Nach der Meisterqualifizierung (Meister für Schienenfahrzeuge) und Erlangen der Fahrerlaubnis für Diesellokomotiven arbeitete in der Abteilung TKO, blieb hier bis 1979 tätig. Des Berufspendelns zwischen Chemnitz und Wohnort müde bewarb er sich um eine Arbeit im Rat des Kreises Hainichen. Dass er gleich Bürgermeister der Gemeinde Rossau werden sollte, überraschte ihn. Doch er nahm die Herausforderung an, wurde erfolgreich. Das auch, weil er selbst anpackte, fehlenden Handwerkerkapazitäten mit der Gründung von Feierabendbrigaden begegnete und durch seinen eigenen Werdegang und sein Auftreten schnell das Vertrauen der Menschen gewann. In seine Amtszeit fallen Kaufhallenbau, Gewerbegebietserschließung, Straßennetz-Ausbau, Kindergartenbau, Schulbau, Errichtung der Wasserskianlage, Jugendcluberöffnung, Kommunalwald-Schaffung, Neubau von Gerätehäusern für die Ortsfeuerwehren u. v. a. m.. In den Jahren 1994–2016 war er zudem Stadtrat und ehrenamtlich stellvertretender Bürgermeister der Stadt Hainichen. 2009 ging Horst Glöß nach 30 Jahren Bürgermeisteramt (10 Jahre DDR / 20 Jahre BRD) in den wohlverdienten Ruhestand. Im Februar 2016 wurde er Ehrenbürger der Stadt Hainichen. Horst Glöß ist in zweiter Ehe mit Brigitte Glöß verheiratet. Zur Patchworkfamilie gehören vier Kinder und vier Enkel. Für seine Familie und für die Region wünscht er sich weiterhin gutes Gedeihen.