MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gottfried Goebel
„Heimat ist dort, wo die Familie ist.“
Bauer, Bäcker
Kleinpelsen 15 A
04703 Leisnig
Fon: 034362 / 32657
Das Beste, was ihm passieren konnte, war, seiner Frau Renate 1991 in den wohlverdienten Ruhestand zu folgen. Endlich war die Zeit gekommen, schöne gemeinsame Jahre erleben zu können. Reisen führten durch viele fremde Gegenden und besonders der afrikanische Kontinent hatte es den Eheleuten angetan.
Gottfried Goebel wurde am 06.03.1930 in Wildschütz/Schlesien geboren. Den Oberschulabschluss zu erhalten, vereitelte die Flucht aus der Heimat. 1945 in Mahris angelangt, besuchte er die Reit- und Fahrschule, arbeitete ein Jahr lang bei einem Bauern, besuchte die Landwirtschaftsschule Döbeln und war gezwungen, 12 Monate lang in einem Schweinestall zu nächtigen.
Sein Vater galt nach dem Krieg als vermisst und gemeinsam mit seiner Mutter übernahm er eine Neubauernstelle. Seine Renate lernte er in der Bäckerei kennen. Nach der Hochzeit 1954 unterstützte Renate Goebel ihren Mann, zog die vier Töchter Carola, Christa, Ulrike und Cornelia groß und arbeitete dennoch weiterhin in der Bäckerei.
Um den elterlichen Betrieb aufrecht zu erhalten, besuchte sie die Meisterschule und auch ihr Mann widmete sich dem neuen Metier. Er schulte um, beendete die Ausbildung als Bäckergeselle und buk fortan Teilchen, wonach die Leute Schlange standen. Schmackhafte Brote und Brötchen waren der Renner und leckerste Butterkekse galten als Aushängeschild. Noch eine Weile betrieb er parallel Landwirtschaft, doch die Arbeit wurde zu viel. Dennoch waren die köstlichen Backwaren beizeiten verkauft und am Abend zeigte sich das Geschäft in gähnender Leere. Das Bäckerpaar nutzte diese Gunst der Stunde, erweiterte die Angebotspalette und mauserte sich zum Tante-Emma-Laden, in welchem es vom Schlüpfergummi bis zu Schnäpschen einfach alles gab. Die Umsätze waren gut, doch der Alltag forderte auch seinen Tribut. Besonders am Samstag, an welchem die Kundschaft nach frischen Brötchen lechzte, begann Gottfrried Goebels Arbeitszeit schon um Mitternacht.
Später stellten Goebels ihr Geschäft auf Lohnbäckerei um schlagartig wurde diese auch zum Treffpunkt für Plaudereien. Hierzu hat Gottfried Goebel eine kleine Episode parat. Wurde ihm das „Geschnatter“ der Kundinnen zu viel und hinderte ihn an der Arbeit, öffnete er kurzerhand den Dampfhahn und der Lärm fand ein Ende.
Renate und Gottfried Goebel führten ein perfektes Berufs- und Eheleben. Gab es doch einmal Streit, wurde dieser noch vor dem Zubettgehen ausgeräumt. Leider verstarb seine Renate 2013, doch mit seinen Kindern und 11 Enkeln ist er froh über seine große Familie. Selbst einst der Vertreibung ausgesetzt, resümiert Gottfried Goebel: „Heimat ist dort, wo die Familie ist.“