MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Rudolf und Renate Gottschalk
Zwischen Hoffnung und Desillusionierung
Feinoptiker, Wachleiter
Industrieschneiderin
01069 Dresden
In einem kommunistisch geprägten Elternhaus wuchs Rudolf Gottschalk auf, geboren 1937 im brandenburgischen Bützer (bei Rathenow). Die Kindheit war für ihn und den älteren Bruder nicht leicht, kam doch nach dem frühen Tod der Mutter eine neue Lebensgefährtin des Vaters ins Haus, die ganz anders erschien. Dem Vater, der als Maurer arbeitete, mussten die Kinder schon früh zur Hand gehen. Die Schule schloss Rudolf Gottschalk 1951 mit der 8. Klasse ab. Drei Jahre dauerte die Lehre bei den Optischen Werken in Rathenow. Mit abgeschlossener Berufsausbildung als Feinoptiker blieb er noch ein halbes Jahr bei der Firma, dann warb ihn die Grenzpolizei. Nach vierteljähriger Vorbereitung in Nordhausen ging es nach Hohen Neuendorf, wo er nun an der Grenze zu West-Berlin Streife lief. 1956 konnte er in Dittrichshütte bei Bad Blankenburg (Thüringen) die Unteroffiziersschule besuchen. Seiner Frau Renate zuliebe, 1958 wurde geheiratet, wechselte die junge Familie in deren Geburtsstadt Dresden. Rudolf Gottschalk begann nun bei der Grenzpolizei in Bad Schandau, wurde in der Zollabfertigung eingesetzt. Als 1959 im erzgebirgischen Zinnwald ein neuer Grenzabfertigungspunkt zur damaligen Tschechoslowakischen Republik eröffnet wurde, gehörte er zur Erstbesetzung. 1960 ging er für ein halbes Jahr beim VEB „Carl Zeiss“ Jena in den erlernten Beruf zurück, aber noch gegen Ende des Jahres wechselte er wieder zur Polizei. In der Uniform der Volkspolizei tat er nun in Dresden Dienst, sorgte für Sicherheit und Sicherheitsgefühl auf den Straßen der seinerzeitigen Bezirksstadt. Zwanzig Jahre Streife waren 1980 genug. Rudolf Gottschalk kündigte, fand beim Kombinat Robotron im Bereich Messelektronik neue Aufgaben bei der Sicherheitsabwicklung der militärischen Produktion. Ab 1983 arbeitete er als Wachleiter im Kombinat Robotron, verantwortlich für dreißig Mitarbeiter.
Als im Herbst 1989 die Menschen in Dresden auf die Straße gingen, weil das DDR-System sich offenkundig überlebt hatte, gehörte auch Rudolf Gottschalk zu jenen, die demonstrierten und diskutierten. Zu sehr hatte ihn bewegt, dass in den Jahren davor ernsthafte Kritik unerwünscht war. Mit sechzig Jahren ging er 1997 in den Ruhestand. Drei Töchter, fünf Enkel und vier Urenkel Kinder sind der Familie zugeboren. Frau Renate arbeitete als Industrieschneiderin, engagierte sich als Abgeordnete in den Kommissionen des Bezirkstages Dresden.