MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Eckehard und Brunhilde Gnorski
Honni-Brötchen, „Herz- und Schnauze“ im Laden und „Mautz“ in der Backstube – ein Erfolgsrezept
Fliederallee 1 A
16227 Eberswalde
Fon: 03334 / 219186
1940 in Pommern geboren, wuchs Eckehard Gnorski in Angermünde auf, absolvierte hier die Schule und wäre nur zu gerne Koch geworden und als solcher zur See gefahren. Doch es kam anders. Er lernte den Bäckerberuf – Ausgangpunkt für zwei große Lieben – denn er übte ihn fortan mit Leib und Seele aus und zudem lernte er in der Berufsschule den Herrenschneider-Lehrling Brunhilde kennen, mit der er 2010 die goldene Hochzeit feierte. Sie hatte eigentlich in der Landwirtschaft lernen wollen, doch figürlich eher zart, suchte der Großvater eine zu diesem Umstand besser passende Ausbildungsstätte und überzeugte den Meister mit dem Argument: „ Nehm’s, arbeiten kann’s...“. Was sie bewies. Und dass ihr Gesellenstück ein Anzug für ihren heutigen Mann war, erklärt sie mit Zufall. Eine der ca. 30 Bäckereien in Eberswalde war Eckehard Gnorskis erste Arbeitsstelle ab 1959, 11 Jahre in der Konsumgroßbäckerei folgten. Selbst eine Bäckerei zu eröffnen war damals nicht möglich, auch wenn der Bedarf der Bevölkerung da war und der Bürgermeister von Trampe das gerne gesehen hätte. Die politischen Ziele des Staates schlossen private Kleinunternehmen aus. Da half auch nicht, dass seine Leistungen anerkannt waren, er bereits für Lehrausbildung und Leitungstätigkeit herangezogen wurde. Der Gedanke an die Selbstständigkeit ließ Eckehard Gnorski jedoch niemals los und zudem ärgerten ihn die unzumutbaren Wohnverhältnisse seiner Familie, die er 1960 mit Ehefrau Brunhilde gegründet hatte und die 1961 mit Sohn Angelo Zuwachs erhalten hatte. An die Grenze ihrer Duldsamkeit gelangt, beantragte die Familie die Ausreise aus der DDR. Die Wirtschaftspolitik der DDR hatte bis dahin das Ziel verfolgt, privaten Besitz an Unternehmen zu unterbinden. Doch nachdem das konsequent verfolgt war, stellte sich heraus, dass die Versorgung der Bevölkerung nicht mehr gewährleistet war wie zuvor. Eine Lockerung der Gesetzlichkeit fiel mit dem Ausreiseersuchen der Familie Gnorski zusammen. Das Freiwerden einer Bäckerei mit angrenzendem Wohnraum in Eberswalde war hilfreich. Im Sommer 1977 zog Familie Gnorski in die Bäckerei, renovierte und rekonstruierte mit einem Kredit von 60.000 Mark, eröffnete mit Eckehard Gnorski in der Backstube, Brunhilde Gnorski im Laden und einer Konditorin als Angestellter. Eine große Herausforderung, denn Brunhilde Gnorski hatte bisher in Aushilfstätigkeiten im Gesundheitswesen gearbeitet und Eckehard Gnorski musste mit 37 Jahren nebenher noch auf der Abendschule die 9. und 10. Klasse nachholen, geforderte Buchführungslehrgänge und die Meisterschule absolvieren. Nach sechs Jahren hatten sie es geschafft, den Kredit zurückzuzahlen und ein florierendes Geschäft zu unterhalten. 55 Tonnen Brot hat Eckehard Gnorski alleine jedes Jahr gebacken. Sohn Angelo hielt den Betrieb zwar aufrecht, als Vater Eckhard schwer erkrankte, doch eine Weiterführung des Unternehmens ab Ruhestand der Eltern im Jahr 2003 kam für ihn nicht in Frage. Und auch die Ambitionen von Enkel Lars gingen in eine andere Richtung. Eine Übergabe an den ehemaligen Lehrling Ronny stand nach dessen Familiengründung in den alten Bundesländern auch nicht mehr zur Debatte und so ist die Bäckerei seit 2003 geschlossen. Sie dient der Familie heute als Wohnhaus und gebacken wird nur noch privat. Am letzten Öffnungstag der Bäckerei verabschiedete sich die Bäckerfamilie jedoch zuvor noch von ihren – in Viererreihen anstehenden, treuen Kunden – mit Rosenkuchen, Liebesknochen, Knüppeln und den beliebten DDR (Honni)-Brötchen. 48 Arbeitsjahre fanden so ein würdiges, anerkanntes und gefeiertes Ende.