MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Christine und Walter Gorzella
Arbeit ohne umgucken
Uhrmacherin, Maschinenbuchhalterin und Kundenberaterin i.R. Huf- und Wagenschmied Büromaschinen-Mechaniker i.R. 06268 Querfurt
Komm erst mal in die Fremde, da wirst du dich umgucken. "Immer klangen mir diese Worte meines Vaters in den Ohren, auch als ich längst eine anerkannte Maschinenbuchhalterin war. Vielleicht wollte er mein Selbstbewusstsein klein halten, denn es musste alles nach seinem Willen gehen", erinnert sich Christine Gorzella. Sie war im Oktober 1937 in Rumburg, der damaligen Tschechei, als Tochter eines selbstständigen Uhrmachermeisters und einer Schneiderin geboren worden. Der Vater geriet im 2. Weltkrieg in Gefangenschaft. Die Mutter flüchtete mit ihrem Kind 1946 nach Querfurt zu den Schwiegereltern. Ab 1947 bekam Christine noch fünf Geschwister. Ihre Schulzeit von 8 Jahren war durch den Krieg für anderthalb Jahre unterbrochen worden, endete 1952. Sie lernte dann beim strengen Vater die Uhrmacherei. Eine kleine Pause zwischendurch war verpönt. Nur mittags beim Essen durfte die junge Frau ein wenig ausruhen. 3 Jahre lernte Christine Gorzella und arbeitete dann weiter beim Vater in der kleinen Reparaturwerkstatt. Viele Ersatzteile mussten per manuell extra angefertigt werden. Dabei bewies Christine große Geschicklichkeit.
1959 kam Christine Gorzellas erstes Kind zur Welt und sie pausierte 4 Jahre. Es verstarb mit 11 Jahren infolge eines traurigen Unfalls.
Während der Zeit bei ihrem Vater hatte sich Christine Gorzella auf der Volkshochschule Maschineschreiben angeeignet. Das ermöglichte ihr die Anstellung als Halbtagskraft beim Landwirtschaftsrat des Kreises.
1972 kam Petra, das 2. Kind in der Ehe zwischen Christine und Walter Gorzella zur Welt, 1976 Tochter Anke. 1958 hatten sie geheiratet. Walter Gorzella war 1939 im polnischen Ratibor geboren worden. Auch er teilte mit 4 Geschwistern das traurige Los von Flüchtlingskindern. Die Mutter war regelrecht verhungert, der Vater im Krieg gefallen. Die Kinder kamen in ein Kinderheim. 1949 holte seine Pflegemutter ihn nach Querfurt. Hier lernte er Schmied und arbeitete danach 12 Jahre in einer Werkstatt der Brikettfabrik. Mit zwei Kollegen eröffnete er später eine neue Abteilung Büromaschinen-Services im Dienstleistungsbetrieb. Nach der Wende, mit 54 Jahren, wurde er arbeitslos. Zwei ABM-Stellen verkürzten die Zeit bis zur Rente.
Als durch die ersten PC manche Arbeitsplätze wegfielen ging Christine Gorzella bei der Sparkasse Querfurt in den Schalterdienst. Die Umstellung auf PC hat sie noch mitgemacht Nach der Wende nahm sie 9 Monate vor ihrem 60. Geburtstag die Abfindung in Anspruch und ging in Rente. An die Region in der sie lebt, habe sie sich gewöhnt, aber ihre Heimat vermisse sie doch sehr, meint die rüstige Rentnerin. Ein paar Mal waren die Gorzellas schon am Elternhaus in Tschechien. Aus anfänglichen Misstrauen ist eine gute Bekanntschaft geworden. Diesen Willen zu guter Nachbarschaft geben sie an mittlerweile 7 Enkelkinder weiter.