MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Karin Glüheisen
„Die Güte des Goldes erprobt man im Feuer, die des Menschen im Unglück.“ (Fernöstliche Weisheit)
Am Steinbruch 14
06193 Petersberg OT Kütten
Fon: 034600 / 25745
Als Tochter einer Verkäuferin und eines Malers in Halle geboren, wuchs das Mädchen Karin Gätzschmann in dieser Stadt heran. Ihren Berufswunsch – Bibliothekarin – konnte sie nicht verwirklichen. Sie hatte sich zwar erfolgreich beworben, doch die Freude über die Zusage währte nur kurz. Die Ausbildungsstätte in Berlin zog für das betroffene Jahr diese Zusage zurück und sie musste sich neu orientieren. In den Chemischen Werken Buna nahm sie nach der 10. Klasse die Lehre zur Maschinistin auf, denn einen anderen Ausbildungsplatz konnte sie in der Kürze der Zeit nun nicht mehr finden. Glücklich war sie mit dieser „Notentscheidung“ nicht. Der Beruf machte ihr keine Freude, die Anforderungen erwiesen sich als nicht gerade herausfordernd und die Entwicklung fördernd. Wie in der DDR üblich, blieb sie nach Beendigung der Lehre jedoch im Betrieb tätig. 1964 heiratete sie ihren Mann Hans-Dieter (Schlosser, verstorben 2017). Tochter Bettina wurde ein Jahr später geboren, eine schöne Neubauwohnung in Halle-Neustadt bezogen. Alles schien perfekt. Doch es blieb nur ein Schein. Das kleine Mädchen bedurfte besonderer Zuwendung. Es konnte aus gesundheitlichen Gründen keine Kindereinrichtung besuchen. Entsprechend blieb Karin Glüheisen die ersten fünf Jahr nach der Geburt zuhause. Die Zeit bis zur Schuleinführung überbrückte die junge Mutter mit kurzzeitigen Tätigkeiten als Postzustellerin. Mit Schulbeginn der Tochter konnte sie auf dieser Grundlage wieder in das Arbeitsleben einsteigen – nun als Innendienstkraft bei der Deutschen Post. Sie erlangte nebenher den Postfacharbeiterbrief, war im Postbetriebsdienst tätig. 1980 änderte sie erneut die berufliche Ausrichtung. Das Betriebsklima hatte sich verändert. Nahestehende Kolleginnen hatten bereits den Arbeitsplatz gewechselt. Bei der Fernmeldestelle als Stellenleiterin fand sie nicht ihr Metier. Die eintönige Schreibtischarbeit lag ihr nicht. Durch Vermittlung fand sie neue Herausforderung im Stadtbezirksbauamt Halle-West und erlebte damit bis 1980 „noch eine sehr schöne Zeit“. Zuständig für Bauten der Bevölkerung und Rekonstruktionsobjekte, war das Tätigkeitsfeld vielschichtig, die Erfüllung der oft schwierigen Aufgaben sehr befriedigend. Karin Glüheisen qualifizierte sich ein erneut: An der Ingenieurschule für Bauwesen Leipzig erlangte sie im Fernstudium den Ingenieurabschluss. Durch die Wende bedingt verlängerte sich das Studium um 1 ½ Jahre, da bundesdeutsche Inhalte nun zusätzlich vermittelt werden mussten. Nach Auflösung des Stadtbauamtes Halle-West arbeitete Karin Glüheisen in der Immobilienverwaltung der Sparkasse Halle weiter. Über Altersteilzeit ging sie 2004 in die Rente. Karin Glüheisen war nicht nur beruflich, sondern stets auch gesellschaftlich sehr engagiert. Ob Personalrat (Sparkasse), Gemeinderat (Kütten) oder auch Heimatverein (Kütten) – sie war dabei! „Ich versuche immer zu helfen, wo Hilfe gebraucht wird“ begründet sie ihr Zupacken und sagt weiter auch: „Ich merke es jetzt persönlich deutlich, dass wirkliche Freunde sehr hilfreich sein können...“ Ihren Mann im Sterben zu begleiten, ihn zu verlieren war sehr schwer. Er hat sie immer unterstützt, was jetzt Tochter und Schwiegersohn zum Teil ausgleichen. Auch in den Urlaub geht es demnächst zusammen. Karin Glüheisen ist die Enkelin von Karl Meseberg (Mitglied des Arbeiter- und Soldaten-Rates Halle, Obermatrose und SPD-Mitglied, aktiv während der Novemberrevolution 1918, ermordet 1919). Von ihm hat sie wohl ihr Verantwortungsbewusstsein, ihre Ehrlichkeit und Offenheit geerbt. Die Nachrichten aus Welt- und innerdeutscher Politik, wecken oft ihren Zorn und ihr Unverständnis. Sie ist froh in Frieden leben zu können, dankbar für die vielen schönen Stunden in der Familie und zuversichtlich noch einige schöne Reisen erleben zu dürfen.