MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Gießmann

Als Flüchtlinge im selben Dorf gelandet

Gießmann

Bergmann, Dreher
Industrienäherin, Holzspielzeugmacherin
Gahlenzer Str. 21
09569 Oederan

Beider Väter fielen dem Krieg zum Opfer. Für die Mütter und die Kinder hieß das Ende des Krieges, dass sie Schlesien verlassen mussten. Die Flüchtlingsfamilien fanden in Mittelsachsen Aufnahme. Im Ort Gahlenz (heute Stadtteil von Oederan) wuchsen sie heran. Sigrids Bruder war der beste Freund von Siegfried, so kannten sie sich von Kindesbeinen an. Doch erst später entdeckten sie, dass sie füreinander geschaffen sein sollten, 1959 heirateten sie. Der Geburtsort von Siegfried Gießmann ist die niederschlesische Stadt Liegnitz. Krieg und Nachkrieg bedeuteten schwerste Jahre für die Mutter und ihr einziges Kind. Bei Verwandten in Gahlenz fanden sie Aufnahme. Dort besuchte der junge Siegfried die Schule bis 1952 und weitere zwei Jahre bis zur Mittleren Reife die Oberschule in Zschopau. Die dreijährige Bergmannslehre absolvierte er in Freiberg, schloss mit Auszeichnung ab. In den Freiberger Bleierzgruben war er für zehn Jahre untertage vor Ort, arbeitete die letzte Zeit als Zimmermann im Stollen, 800 Meter unter der Erde. Obwohl schon verheiratet und Vater und kurz vor Erreichen der Altersgrenze griff ihn die Armee zum anderthalbjährigen Pflichtwehrdienst. Zurück im Zivilleben begann er beim Kombinatsbetrieb der Textima (Textilmaschinen) in Oederan, ließ sich noch zum Dreher umschulen und blieb dort, bis nach 1990 das Werk schloss und er die nächsten vier Jahre im Hauptwerk in Chemnitz eingesetzt war. Da die Bergmannszeit besonders angerechnet wurde, durfte er 1998 mit sechzig Jahren in den Ruhestand gehen. Frau Sigrid kam 1939 in Quelldorf (damals Kreis Guhrau) zur Welt. Mit Großmutter und Mutter (beide gesundheitlich eingeschränkt) und den beiden Brüdern kam sie 1945 nach Sachsen. Von früh auf musste die junge Sigrid im Familienhaushalt der Mutter zur Hand gehen. Nach dem achtjährigen Schulbesuch am Ort wurde sie in zwei Jahren in der Bekleidungsfabrik Eppendorf zur Industrienäherin ausgebildet. Als die Söhne geboren wurden (Rolf 1962, Tino 1966) wirkte sie in Heimarbeit für die Textilindustrie und als Aushilfe beim örtlichen Bäcker. 1972 begann sie beim VEB Holzwaren Gahlenz, dem späteren Raum- und Tafelschmuck Gahlenz als Maschinenarbeiterin. Vom Nachfolgeunternehmen weiterbeschäftigt, wechselte sie erst 1999 in den Ruhestand. Heute freuen sie sich an den beiden Enkeln, der zweite ist gegenwärtig ihrer besonderen Fürsorge anvertraut. Ihr Anfang der siebziger Jahre errichtetes Haus, DDR-untypisch hatten sie zwar schon das Material geliefert bekommen, aber anfangs noch keine Genehmigung, ist ihnen Heimstatt bis heute.
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