MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Glänzel
Das Leben so nehmen wie es ist
Diplom-Ingenieur für Maschinenbau
04808 Wurzen OT Sachsendorf
„Ich bin ein bekennender Sachse“, erklärt Günter Glänzel, wenn man ihn nach seiner Lebenseinstellung fragt. Andere Menschen schätzen vor allem seine Gutmütigkeit, die nach Meinung seiner Frau teilweise bis zur Selbstaufgabe geht. Er selbst hat es am liebsten mit aufrichtigen und ehrlichen Menschen zu tun. Im Gespräch fällt zunächst nicht auf, dass der rüstige und agile Mensch, der vor einem sitzt, bereits 81 Jahre alt ist.
Geboren wird Günter Glänzel am 23. November 1935 in Chemnitz. Der Vater ist Drogist und muss als Kommunist eine Zeit im KZ verbringen, die Mutter trägt Briefe aus. Als Kind träumt er davon, einmal zur Marine zu gehen. Während des Krieges erlebt Günter Glänzel die Zerstörung seiner Schule durch eine Fliegerbombe. Durch die zeitbedingten häufigen Wechsel kann er die Schule nur mit der siebenten Klasse abschließen. Bei der Deutschen Reichsbahn beendet er 1952 eine zweijährige Lehre als Hobler und Schlosser und arbeitet danach bei der „Germania“ und im Reichsbahnausbesserungswerk (RAW). Ab 1954 tut Günter Glänzel vier Jahre Dienst bei der Grenzpolizei See, wo er auf einem Schnellboot für die Maschinen verantwortlich ist. Eine Karriere bei der Verkehrspolizei zerschlägt sich, da er nicht bereit ist, eine Verpflichtungserklärung für zwölf Jahre zu unterschreiben. Der junge Mann arbeitet in mehreren Werken als Betriebsschlosser, besteht 1962 die Facharbeiterprüfung und legt 1967 das Abitur ab. Danach studiert Günter Glänzel Maschinenbau an der Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt / TU Chemnitz. Er ist älter, aber auch lebens- und vor allem praxiserfahrener als die meisten seiner Kommilitonen. Nach dem Diplom fängt er im Stammbetrieb Germania in Chemnitz des Kombinats Chemieanlagenbau Grimma an. Bis 1979 arbeitet der Ingenieur hier als Technologischer Projektant. „Ich habe der DDR viel zu verdanken“, bekennt er heute freimütig. Ein linientreuer Jasager ist er trotzdem nicht, er übernimmt nie eine Wahlfunktion. Ab 1979 ist er Gruppenleiter im Betrieb Aerosol-Automat, welcher 1990 in die Dally-Werke in Stollberg / Rheinland übernommen wird. Günter Glänzel ist für den Vertrieb von dessen Produkten in Mecklenburg-Vorpommern verantwortlich, 1994 geht er in die wohlverdiente Rente und erhält dabei auch noch eine Abfindung. Neben der Arbeit hat er gern geangelt und erledigt noch heute die eine oder andere Arbeit, wo er seine handwerklichen Fähigkeiten einsetzen kann.
Aus der fünfjährigen Ehe mit seiner Frau Rita gehen die Töchter Simone, Beatrice und Kerstin hervor. „Die kommen immer wieder gern in das Hotel Opa“, meint Günter Glänzel scherzhaft. Er schätzt sich glücklich, noch bei guter Gesundheit zu sein. Bei Bedarf gehen ihm seine befreundete Familie, Elke und Jürgen Schindler, zur Hand.