MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ursula Gernhard
Als Lehrerin kennt sie mehrere Generationen ihrer Stadt
Lehrerin
99425 Weimar
Sie ist ein echtes Thüringer Kind und lebt bis heute noch immer gern in ihrer Heimatstadt Weimar. Ursula Gernhardt, Jahrgang 1935, die von 1954–2008 mit dem Journalisten Rolf Gernhardt (2008 gestorben, beim MDR zuletzt gearbeitet) verheiratet war, hat eine große Familie. Die verwitwete Lehrerin im Ruhestand ist nicht nur Mutter und Großmutter (fünf Enkel), sondern mittlerweile auch stolze Urgroßmutter (zwei Urenkel). Glücklich ist sie darüber, dass die Kinder in Thüringen geblieben sind. Sohn Jörg, geboren 1954, lebt in Blankenhain, nicht weit von Weimar entfernt. Tochter Cornelia, die 1958 das Licht der Welt erblickte, wohnt in Ilmenau und Kay, der Jüngste, Jahrgang 1964, ist in Sömmerda heimisch geworden. „Mein Mann und meine Kinder haben mich immer sehr unterstützt“, sagt Ursula Gernhardt. Nach ihrer Schulzeit (1941–1949) wollte sie im künstlerischen Bereich tätig werden oder als Lehrerin arbeiten – so wie ihre Tante, das hatte ihr damals sehr imponiert. Doch zu Hause waren sie vier Geschwister, der Vater im Zweiten Weltkrieg gefallen. „Ich musste nach der 8. Klasse irgendwie Geld verdienen“, blickt Ursula Gernhardt zurück. Ihre Mutter hatte für sie eine kaufmännische Ausbildung im Büro eines kommunalen Wirtschaftsunternehmens ausgesucht. Dort lernte sie im Büro, dann zwischenzeitlich in einer Bekleidungswerkstatt, kam aber mit dem „herrschsüchtigen“ Chef nicht klar. Ursula hörte - auf Empfehlung ihres künftigen Mannes Rolf – dort auf und fing mit 17 Jahren bei der Stadt in einem Büro an. Nach drei, vier Jahren verließ sie das Sozialamt, denn die Gewerkschaft hatte sie gefragt, ob sie als Konsultantin (verantwortlich für die Kinderarbeit) im Volkshaus arbeiten würde. Danach arbeitete sie für die Pionierorganisation im Pionierhaus am Schloss. In Droyßig bei Zeitz machte Ursula Gernhardt ihren Pionierleiter und Unterstufenlehrer mit einem praktischen Abschluss am Institut für Lehrerbildung in Weimar. Sie unterrichtete danach in Weimar im Unterstufenbereich, war ein Schuljahr Klassenlehrerin an der Goetheschule (POS) und später Sportpädagogin bis zur 10. Klasse an der neugebauten Schule in Weimar-West. Ein Hörsturz zwang sie Mitte der 1980er Jahre, sich beruflich mit „halben Klassen“ einzuschränken. Bis zur Wende gab Ursula Gernhardt Schulgarten-Unterricht. Danach wurde sie wieder voll beschäftigt und 1991 entlassen aus dem Schuldienst. Sie fand nun Arbeit bei der Stadtkasse. Als Rentnerin engagierte sie sich auch noch viele Jahre ehrenamtlich im Seniorenbeirat ihrer Stadt. Heute ist Ursula Gernhardt, die mehrere Generationen in Weimar unterrichtete, stolz auf ihre Familie und schätzt sich glücklich, eine Freundin wie Marianne zu haben, die ihr hilft und mit der sie gern Freizeit verbringt. Ursula Gernhardt wünscht sich, noch lange in ihrem Garten Beschäftigung und Entspannung bei guter Gesundheit zu finden.