MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Reinhard und Marie-Luise Gewinn
Fünfzig gemeinsame Jahre
Kfz-Mechaniker
Buchhalterin
Leubener Str. 14
04758 Oschatz OT Thalheim
Nun stehen sie kurz vor der „Goldenen“ Hochzeit. Einst hatten sie sich durch blanken Zufall kennengelernt, denn Reinhard Gewinn aus Sachsen, damals seiner Armeepflicht genügend, war im Norden der DDR unterwegs, um Schautafeln bei den Grenzregimentern zu verteilen. In Schönberg (Mecklenburg) traf er dabei auf Marie-Luise Kozdon, die 1968 seine Frau wurde. Geboren wurde Reinhard Gewinn 1944 noch in Freyhan (Niederschlesien). Er war gerade ein Vierteljahr alt, als es mit Mutter und Halbbruder auf die Flucht vor der nahenden Front ging. 1950 bekam die Familie eine Neubauernstelle in Thalheim. Weil sich der Vater später dem Eintritt in die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft verweigern wollte, steckten ihn die DDR-Behörden für acht Monate ins Gefängnis. In Thalheim besuchte der junge Reinhard das erste bis dritte Schuljahr, später ging es nach Altoschatz und zum Abschluss der 10. Klasse 1961 nach Naundorf. In zweieinhalbjähriger Lehre wurde er von der Produktionsgenossenschaft des Kfz-Handwerks in Oschatz zum Kraftfahrzeugschlosser ausgebildet. Danach ging es ein Jahr auf Montage in das Lausitzer Braunkohlerevier. Nach anderthalb Jahren Wehrdienst begann Reinhard Gewinn dann beim VEB Meliorationsbau in Altoschatz, wo er als Schlosser und Kraftfahrer viele Jahre blieb, auch die Privatisierung nach dem Ende der DDR miterlebte, bis die Firma 2001 in die Insolvenz ging. Nach kurzer Arbeitslosigkeit konnte er mit sechzig Jahren in Rente gehen. Waren es in früheren Jahren auch Bullen und Schweine (bis 1991), so sind immer noch die Enten und Hasen zu versorgen und die Johannisbeeren und Pflaumen im Garten zu ernten. Dies alles wird sich aber ändern müssen, wenn das Ehepaar demnächst ins Haus der Tochter nach Oschatz zieht, auch wenn die Aufgabe des eigenen Grundstücks in Thalheim, in welches sie einst viel Geld und Arbeit gesteckt haben, schwer fallen wird. Frau Marie-Luise kam 1948 im mecklenburgischen Schönberg zur Welt. In ihrer Geburtsstadt besuchte sie zehn Jahre die Schule, wurde dann von der Bäuerlichen Handelsgenossenschaft in Grevesmühlen zur Handelskauffrau ausgebildet. Mit dem Umzug Richtung Oschatz begann sie als Sachbearbeiterin im dortigen Glasseidenwerk, blieb bei der ersten Tochter Jana (1970 geboren) zu Hause, konnte in diesem Jahr bei der Gemeindeverwaltung Thalheim ihre Aufgaben finden. Sie bekam 1971 einen Krippenplatz über die Oschatzer Waagenfabrik und wechselte da sich dort auch für die zweite Tochter Maren (1973) ein Krippenplatz fand. Sie arbeitete fortan als Buchhalter und blieb dem Betrieb bis 1999 treu, auch wenn sie die letzten vier Jahre nur noch für den Insolvenzverwalter der Firma bei der Buchführung im Einsatz war. Sechzehn Monate sorgte sie dann noch für die Aufarbeitung des Uraltarchives der Oschatzer Kirche. Heute kümmert sich das Ehepaar gern um die drei Enkel, denn die Tochter ist oft beruflich unterwegs.