MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ruth Gerschner
„Ich war Mädchen für Alles“
Rathenaustr. 8
08209 Auerbach
Fon: 03744 / 215876
Sie hat die 90 schon überschritten und schätzt sich glücklich, im hohen Alter noch immer einigermaßen gesund zu sein. „Ein paar Jahre möchte ich noch leben und stolz auf meine beiden Kinder, zwei Enkel und zwei Urenkel sein“, sagt Ruth Gerschner aus Auerbach im Vogtland. Sie kocht sich ihr Mittagessen immer noch selbst und fühlt sich im Kopf klar. Sie ist ein bodenständiger Mensch und nie gern verreist, sie liebt ihr Vogtland über alles. „Bin ich mal weg, bekomme ich immer gleich Heimweh“, sagt Ruth Gerschner. Mit ihrem Siegfried (gelernter Kaufmann, gestorben mit 88 Jahren) war sie von 1950-2012 sehr lange und glücklich verheiratet. Geboren kurz vor Weihnachten 1925 in Auerbach im Vogtland, wuchs sie als Ruth Ebert in einer Tischlerei auf. Sie war ein Einzelkind, der Vater Tischlermeister, die Mutter mithelfende Ehefrau. Nach dem Besuch der Volksschule (1933-1941), besuchte Ruth die Haushaltsschule und danach lernte sie zwei weitere Jahre Kinderpflegerin in Reichenbach. Sie arbeitete aber nie in ihrem Beruf, sondern führte den Haushalt und dann das Büro in der Tischlerei des Vaters, die schon ihr Großvater Carl Friedrich Ebert 1908 gegründet hatte. „Ich war Mädchen für Alles“, sagt Ruth Gerschner. Sie hat immer ihre schwer herzkranke Mutter Else nach Kräften unterstützt. Um auch dem Vater Friedrich Wilhelm stets eine große Hilfe zu sein, arbeitete Ruth Gerschner von 1945-1985 in der Familienfirma mit, bis sie mit 60 Jahren in Rente ging. Sie ist immer ein Familienmensch gewesen, hat für alle gekocht und den Haushalt gemacht. Ruth Gerschners Sohn Wolfram (geboren 1950) hat die Tischlerei in Auerbach schon vor der Wende übernommen. Heute heißt das Unternehmen Tischlerei Marquardt und Gerschner in Auerbach. Enkeltochter Claudia Marquardt, verheiratet mit einem Plauener, leitet den traditionsreichen Betrieb heute im Gewerbegebiet. „Ich will immer wissen, was der Nachwuchs macht“, sagt Ruth Gerschner lächelnd. Zum Einkaufen ist sie auf ihre Tochter Annet (geboren 1957, beim Edeka-Großhandel in Auerbach tätig) angewiesen. „Wir hatten sieben Läden, die ich in Auerbach zu Fuß erreichen konnte, jetzt geht das Einkaufen nur noch mit dem Auto. Meine Tochter fährt mich dann“, erklärt Ruth Gerschner. Früher hat sie neben dem Kochen und Einkochen von Obst aus dem großen Garten am Auerbacher Wasserturm auch gern Handarbeiten gemacht und besonders viel gestrickt.