MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Helga und Gunter Gerstenberger
Sie haben sich durchgekämpft
Handelskauffrau / Büroangestellte i. R.
Maler i. R.
Crossener Str. 3
09306 Erlau OT Kleinmilkau
Seit mehr als fünf Jahrzehnten sind Helga und Gunter Gerstenberger, die im sächsischen Kleinmilkau bei Rochlitz leben, miteinander verheiratet. 1961 gaben sie sich das Ja-Wort. Sie wohnen in dem Haus, in dem Helga Gerstenberger 1940 geboren wurde.
Sie wuchs mit Bruder und Schwester auf. Vater und Mutter betrieben einen Kolonialwarenladen. Das Mädchen wollte Kindergärtnerin werden. Doch dieser Traum erfüllte sich nicht.
„In der Zeit erkrankten viele Menschen an Tuberkulose (Tbc). Meine beiden Geschwister und ich wurden in Lungenheilstätten behandelt. Meine Mutter an einer Operation. Als ich 20 war, verstarb der Vater. Aber das Leben musste irgendwie weitergehen“, erzählt Helga Gerstenberger. Ab 1956 lernte sie im VEAB Rochlitz Handelskauffrau. Drei Jahre danach wurde in der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) „Freiheit“ in Milkau eine Stelle in der Buchhaltung frei. Die frischgebackene Absolventin nutzte ihre Chance und fing dort an. 1961 wurde Sohn Andrè geboren. 1973 wechselte sie ins Büro der Kooperativen Abteilung für Pflanzenproduktion (KAP), blieb bis Mitte der 1990er Jahre. „Rund 500 Leute waren bei ‚Agra-Set’ beschäftigt. Alle Mitarbeiter über 55 wurden entlassen. Irgendwann war auch ich dran“, erinnert sich Helga Gerstenberger, die im Heimatverein aktiv ist.
Gunter Gerstenberger kam 1936 in Stöbnig bei Rochlitz zur Welt. Die Eltern hielten sich Tiere und bestellten das Ackerland. Die Mutter zog ihre sechs Kinder allein auf. Großvater und Vater waren Eisenbahner. 1946 kam der Vater aus französischer Kriegsgefangenschaft heim. Nachdem Gunter Gerstenberger die 8. Klasse beendete hatte, wurden die Pforten dieser Schule für immer geschlossen.
Danach lernte er bei der Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) „Farbe & Raum“ in Rochlitz Maler, arbeitete fast ein Leben lang in dem Beruf. Fassaden und Räumen einen neuen Anstrich zu geben, etwas Schöneres gab es für ihn nicht. Auch aus seinem baufällig gewordenen Haus zauberte er ein Schmuckstück. Er spielte bei Traktor Naundorf Fußball, war Torwart, Kreismeister, Trainer der Nachwuchsmannschaft, Sektionsleiter. Mit 60 ging Gunter Gerstenberger in Rente. Seither hat er mehr Zeit für die Gartenarbeit.
Die Gerstenbergers haben einen Sohn, nämlich André, ein Bautischler. Außerdem sind sie zweifache Großeltern. Ihr Wunsch ist, dass die Familie noch größer wird.