MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Johanna Geyer

Wen Hoffnung und Glaube durchs Leben trägt

Johanna Geyer

07639 Bad Klosterlausnitz

Sie hatte die Hoffnung nie aufgegeben, dass die Grenze, die ab August 1961 einen Trennstrich zog zwischen ihrer ursprünglichen Heimat im oberbayrischen Bad Tölz, wo sie 1938 zur Welt gekommen war, und dem thüringischen Bad Klosterlausnitz, in welchem sie 1960 nach der Heirat ansässig wurde, eines Tages nicht mehr bestehen würde. Sie hatte auf die friedliche Lösung gehofft, dies gegenüber anderen auch artikuliert, in Kauf genommen, als realitätsfern angesehen zu werden. So wurde der Herbst 1989 ihr zur stillen Bestätigung, für die gläubige Frau vor allem ein Grund, Gott zu danken. Schon ihre Jugend auf dem großelterlichen Bauernhof war nicht ganz einfach. Unehelich geboren, von der Mutter anfangs zu Pflegeeltern gegeben, dann von diesen zurückgeholt, fand sie nur in der Großmutter etwas Halt in einem jungen Leben, das zeitig von stetiger Arbeit auf dem Hof geprägt war. Nach Abschluss der 8. Klasse musste sie sich, kaum vierzehn Jahre alt, als Hausmädchen verdingen. Nur im Gesangverein fand sie Freude und lernte dort ihren Mann Lothar kennen. 1959 wurde geheiratet, ein Jahr später folgte sie ihm in seine thüringische Heimat. Die Liebe zum Mann hat sie nie bereut, den Wechsel in die damalige DDR schon. 1961, die erste Tochter war gerade geboren, wurde der Mann wegen eines weitergegebenen politischen Witzes verhaftet, zu fünfzehn Monaten Gefängnis verurteilt. Johanna Geyer war plötzlich auf sich allein gestellt, fand in der Küche des Rathauses Arbeit, blieb ruhig (und glaubensgewiss), als sie mit Verhören und Hausdurchsuchungen drangsaliert wurde. Ihr Mann fand nach seiner Entlassung wieder Arbeit im Malerbetrieb, war aber zusätzlich als Alleinunterhalter mit der Ziehharmonika viel unterwegs. Frau Johanna kümmerte sich um die beiden Töchter, die zweite kam 1965 zur Welt, arbeitete als Verkäuferin in einer Fleischerei sowie in einem Schreib- und Spielwarenladen. Beide liebten das Singen, gepflegt im örtlichen Gesangverein. Zu DDR-Zeiten hatten sie das damals ziemlich marode Haus ehrlich von der Gemeinde erworben, hergerichtet, wohnlich gemacht. Nach der Wende gab es plötzlich einen Erben eines Vorbesitzers, aber sie konnten die Rechtmäßigkeit des Besitzübergangs unbestritten nachweisen. Johanna Geyer arbeitete noch ein paar Jahre als Verkäuferin in der Konsumgenossenschaft, bis diese aufgelöst wurde, ging dann 1998 in den Ruhestand.
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