MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Theodor Gerberich
So war das damals...
Erfurter Str. 34 03046 Cottbus
Theodor Gerberich, 1929 in einem Riesengebirgsdorf am Fuß der Schneekoppe im heutigen Polen geboren, erinnert sich noch sehr deutlich an seine Wurzeln: Das schwere Leben seiner Eltern, seine Geschwister, seinen Berufswunsch Autoschlosser und die Lehre zum Maurer, weil dieser nicht in Erfüllung ging. Den Eltern gefiel es, hatten doch alle drei Söhne nun mit den Berufen Zimmermann, Maler, Maurer aus ihrer Sicht die Grundlage dafür gelegt, einmal eigene Häuser zu bauen und zu bewohnen. Doch der Krieg schrieb die Geschichte anders. Die letzten Monate vor der Kapitulation erlebte Theodor beim Volkssturm, im Wehrertüchtigungslager auf der Hampelbaude und auf dem Weg zur Front in der Tschechei, die ersten Monate danach im Lager. Entlassen, weil er ausgab unter 16 Jahre zu sein, trat er den Weg in die Heimat an: Zu Fuß, von Bistric bei Tabor entlang den Bahnschienen, tagelang, hungrig, von Angst um neue Gefangenschaft gequält. Zu Hause angekommen, warteten auch hier Häscher, die Versprengte aufgriffen. Es gelang ihm, auch ihnen nicht in die Hände zu fallen, bei seiner Familie anzukommen. Nachdem die Mutter ihm ein Bad verordnet, die Sachen verbrannt hatte, fühlte er sich als neuer Mensch. Doch die Zeit ließ sich nicht zurückdrehen, die Lebensbedingungen nicht der Vorkriegszeit anpassen. Selbst ernannte Milizen patrouillierten, Plünderungen waren an der Tagesordnung, Zuführung zu Zwangsarbeiten erfolgten. Als Maurer gab es genug Arbeit, doch der Lohn war erbärmlich. Im alten Baugeschäft, doch nun unter polnischer Verwaltung, musste er für den Lehrlingslohn von sechs Zloty im Flussbau schwere Granitarbeit verrichten. Sechs Zloty kostete eine Schachtel Streichhölzer, 60 Zloty kostete ein Brot. Man konnte nicht leben von der eigenen Arbeit. Als der Vater, geflüchtet von der Zwangsarbeit, wieder nach Hause kam, ging es etwas besser, denn als Schneider war er gefragt und konnte so die Familie mit Lebensmitteln versorgen. Als die Deutschen aus Polen ausgesiedelt wurden, schlossen sein Freund und er sich dem Treck an, flohen nach Deutschland. Arbeit gab es für Mauerer genug, für ihn die Möglichkeit schnell wieder Fuß zu fassen. Es war die Zeit, sich zu kümmern, zuzusehen etwas zu erarbeiten, mit dem man handeln konnte, Deputate zu erlangen, das Notwendige zum Leben zu erreichen. Unter diesem Aspekt erfolgte die Auswahl der Arbeitsplätze. Er holte seine Gesellenprüfung nach, blieb aber nicht im Beruf. Er wollte weiterkommen, bewarb sich an der Baufachschule, ließ sich aber überzeugen, dass seine elementarsten Bedürfnisse, wie Kleidung und Essen am besten mit der Verpflichtung zur Volkspolizei zu befriedigen waren. So war das damals: Nicht Überzeugung, sondern ganz einfache Dinge entschieden für einen solchen Weg. Bereut hat er ihn nie. Er absolvierte die Offiziersschule, schlug die Offizierslaufbahn ein, die er 1979, nach 30 Jahren, als Oberstleutnant der Reserve beendete. Die Jahre bis zur Rente war er Kaderleiter im Bezirksbauamt.
Seine Frau Waltraut ist seit 1948 an seiner Seite, seit 1951 sind sie verheiratet. Ihre beiden Kinder und zwei Enkel sind ihr gemeinsamer Stolz.