MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Margitta Geisler
„Der Sinn des Lebens ist ein Leben mit Sinn.“ (Robert Burns)
Lehrerin
Hirtenberg 6
09326 Geringswalde
Vier Wochen vor Kriegsanfang wurde das Mädchen Margitta Büttig 1939 in Pirna geboren. Vier Kinder gehörten zur Familie. Die Mutter kümmerte sich um deren Erziehung, Betreuung und den Haushalt, der Vater war in leitender Tätigkeit im Druckmaschinenwerk beschäftigt. Vom Kriegsdienst auf Grund seiner Arbeit im Maschinenbau freigestellt, musste er zwar in die kriegswichtige Industrie eintreten, konnte sich aber gut um die Seinen kümmern. Aus der daraus resultierenden, mit vielen schönen Erlebnissen angefüllten, glücklichen Kindheit wurden die vier Geschwister jäh herausgerissen mit dem Luftangriff auf Pirna am 20.04.1945. Im gleichen Jahr wurde Margitta eingeschult. Sie erinnert sich an die vielen Flüchtlingskinder, die in der gleichen Klasse lernten, obwohl bereits 12–14 Jahre alt. Eine Schule hatten sie noch nicht, oder Jahre nicht mehr, besucht. Sie konnten oft weder schreiben noch lesen. 1953 wechselte Margitta auf die Oberschule, schloss diese mit dem Abitur ab. Von ihrem Wunsch Chemie zu studieren nahm sie Abstand als eine Studienberatung für den Lehrerberuf warb. Begeistert davon ohne praktisches Jahr und mit einem nur dreijährigem Studium Lehrer werden zu können, ging sie an die Hochschule nach Potsdam. Drei Jahre später durch die Studienlenkung nach Colmnitz (Nähe Freiberg) als Biologie- und Chemielehrerin an eine 10-Klassen-Schule vermittelt, unterrichtete sie alle Fächer, einschließlich Englisch, Musik, Deutsch und Geschichte. Seit 1963 verheiratet und später Mutter zweier Töchter, wechselte sie 1969 umzugsbedingt (wegen beruflicher Veränderung ihres Mannes) an die Mittelschule Geringswalde. Hier fühlte sie sich sehr wohl, musste aber wegen Krebserkrankung, Operation und Bestrahlung ihre Tätigkeit für drei Jahre unterbrechen. Die politische Wende in der DDR brachte Veränderungen im Bildungswesen mit sich. Wie in der Zeit vorher, ärgerte man sich über so manches, aber „wir haben das alles mitgemacht,“ berichtet Margitta Geisler, und weiter von der Einführung neuer Schulbücher, der Rückkehr zu den zuvor bewährten aus der DDR-Zeit, den Veränderungen im Kollegium und Strukturänderungen im gesamten Schulsystem. Sie selbst lehrte ab 1992–1995 an der Oberschule Rochlitz. Doch die Schülerzahlen veränderten sich wegen Fehlentscheidungen in der Zulassung zum Abitur und folgenden Fehlentwicklungen in unzumutbar hohe Größen. Der Ton im Kollegium und bei der Zusammenarbeit mit den Eltern und Schülern wurde unschön, was letztendlich zum Verlust eines Teils der eigenen Motivation bei den Lehrern führte. Margitta Geisler war deshalb zufrieden mit 56 Jahren, Dank einer Sonderregelung und einer Abfindung in den vorzeitigen Ruhestand treten zu können. „Ich habe großes Glück gehabt.....ich bin mit meinem Leben und meiner Familie sehr glücklich und zufrieden,“ zieht Margitta Geisler Resümee. Mit Optimismus, Tatkraft und Hilfsbereitschaft hat sie ihr Leben gestaltet. Sachliche Kritik ist ihr willkommen, Unzuverlässigkeit und falsche Versprechen ärgern sie. Seit über einem halben Jahrhundert lebt sie im gleichen Haus, mit weiteren drei Familien, die gemeinsam das naturnahe große Grundstück pflegen, bekannt als „Margeritenwiese von Hirtenberg“, beschäftigt sich mit Lesen und Schreiben, verreist ab und zu. Traditionen wie familiäre Weihnachtsessen, der Besuch des Weihnachtsoratoriums und weiterer Konzerte, Wellnessurlaub mit der Tochter, hält sie aufrecht. „Es soll alles so bleiben wie es ist,“ wünscht sie sich für die weitere Zukunft.