MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Helmut und Gertraud Gelhaar

„Wer sein Ziel kennt, findet den Weg.“ (Laotse)

Helmut und Gertraud Gelhaar

Stellmacher, Schweißer, Meister der volkseigenen Industrie
Kranführerin
Sommerberg 10
04668 Grimma OT Otterwisch
Fon: 034345 / 91138

1928 in Prökuls (Littauen, Memelgebiet) geboren, wuchs der junge Helmut in der Heimat auf, bevor er eine Internatsschule in damaligen Wartegau besuchte. Die Schule unterstand dem SS-Sicherheitshauptamt. „Wir trugen an der Schuluniform das SS-Zeichen, waren aber vom Grund her ein humanistisches Gymnasium. Wir haben die normalen Unterrichtsfächer gelehrt bekommen und darüber hinaus Altgriechisch und Latein bis 1944 und dem Attentat auf Hitler. Dann war unsere Jugend vorbei....“ berichtet er heute davon. 15-jährig ging es in die Wehrertüchtigungslager der Wehrmacht. In eine Heeresunteroffizierschule integriert, wurden die Jugendlichen an allen infanteristischen Waffen ausgebildet und als Lufthelfer geschult. Durch eine Hitlerjugendeinheit in Richtung Lòdz in Bewegung gesetzt, mussten die Jungen nun Panzer- und Schützengräben ausheben und später auch selbst verteidigen. Helmut Gelhaar erkrankte schwer. Die Mutter holte ihn kurzerhand nach Hause. Die russische Front rückte näher, stand kurz vor der Heimat. Der Mutter gelang es mit einem Teil ihrer sieben Kinder und einem der letzten Züge in das Deutsche Reich zu fliehen. Helmut Gelhaar und eine Schwester nahmen einen anderen Fluchtweg. In Dresden fand sich die Familie in Teilen wieder. „Und dann kam der schwere Angriff der Amerikaner und Engländer auf Dresden... den haben wir (auch meine hochschwangere Schwester) mit erlebt...“ berichtet Helmut Gelhaar und weiter von dem hell erleuchteten Himmel als die Christbäume gesetzt wurden, von seinem Einsatz bei der Evakuierung von Verwundeten aus einer zum Lazarett umgerüsteten Schule und dem Tagesangriff der Amerikaner am Folgetag, der ihn bald das Leben gekostet hätte. „Da habe ich das erste mal eine tote Frau gesehen.... die hatte keinen Kopf mehr, der lag unterhalb eines Balkens.... später habe ich gesehen wie der letzte Teil der Frauenkirche zusammengebrochen ist... einen Tag darauf habe ich auf dem Alten Markt gesehen wie die Flammenwerfer der Wehrmacht und der SS die Leichenberge verbrannt haben...“ berichtet er von grauenvollen Erlebnissen einer schweren Zeit, die er erst als abenteuerliche Kindheit empfunden hatte. Noch vor Kriegsende einberufen, gelangte der MG-Schütze 1 Helmut schließlich noch in das letzte Kampfgeschehen. „Die Russen sind durchgebrochen...“ Mit diesen Worten begann der Rückzug der Einheit. „Jungs , Schluss, wir gehen nach Hause....“ lautete später der Aufruf des Unteroffiziers den verlorenen Krieg aufzugeben. Brenzlig wurde es als ihnen eine Streife der Feldgendarmerie begegnete und es fast zum Schusswechsel gekommen wäre. „Und mittlerweile haben wir dann erfahren, der Krieg ist zu Ende....jeder ging nach Hause...ich auch...“ erzählt er vom Ende und von seiner Gefangennahme durch die Amerikaner 14 Tage nach Waffenstillstand. Sechs Wochen später entlassen, kehrte Helmut Gelhaar zur Familie zurück. Zurück im Zivilleben schloss er 1950 eine Lehre zum Stellmacher ab. 1947 lernte er seine Frau Gertraud kennen, heiratete 1948. Wegen eines besseren Verdienstes wechselte er in das RAW Leipzig, arbeitete fortan als Schweißer bis 1970 und lernte dieses Handwerk bei der Arbeit. Eine Berufserkrankung zwang ihn zur Veränderung. Auf Grundlage der zwischenzeitlich erworbenen Meisterausbildung wurde er bis 1990 als Werkmeister bei der Eisenbahn weiter beschäftigt, trat dann in den Ruhestand. Den verbringt er mit seiner Frau (1931 geboren, Arbeit auf dem elterlichen Hof, einer LPG, als Schlosserhelferin und Kranführerin), mit der er die gemeinsame Töchter (Elke, geb. 1948, Meister der Chemie) und Sylvia (geb. 1952, Buchhändlerin) und sechs Enkelkinder hat. Die Eheleute sind stolz auf ihre gut funktionierende Familie, jedes ihrer Kinder und Enkel. „Einmal zusammen gehen dürfen....“ ist ihr größter Wunsch.
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