MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Heidemarie Gerber

„Dem Weisen schmecken die Dinge so wie sie sind.“ (Deutsches Sprichwort)

Heidemarie Gerber

Mösterstr. 5 a
06780 Zörbig OT Göttnitz
Fon: 034956 / 21979

Das ganze bisherige Leben hat die 1950 geborene Heidemarie Gerber in ihrem Geburtsort Göttnitz verbracht. Hier und in Stummsdorf besuchte sie die Schule bis zur 8. Klasse und arbeitete danach im VEM-VEB Starkstromanlagenbau Zörbig (1969 als Betriebsteil in den VEB Schaltanlagenbau Magdeburg integriert, ab 1987 Betriebsteil des VEB Motorenwerkes Wernigerode). Sie erwarb in dem Betrieb den Facharbeiterbrief als Elektromonteur und bestand zudem 1987 einen Lehrgang (Wickeln, Schalten, Montieren, Prüfen von Elektromotoren). Eigentlich war das keine typischer Frauenberuf und die Arbeit an der Taktstraße zudem eine Arbeit nach Leistung. Doch ihr gefiel es und sie hätte sicher so weitergearbeitet, wenn nicht die politische Wende in der DDR gekommen wäre und mit ihr die Veränderungen in allen Bereichen. Mit 16 Jahren hatte sie in dem Betrieb die Arbeit aufgenommen, blieb durchgängig dort tätig und erlebte alle Strukturwandlungen der Firma mit, die ihren Arbeitsplatz jedoch nie tangierten. Das sollte sich ab 1990 ändern. Auch ihr Mann Wilfried (Installateur Heizung und Sanitäranlagen, Hochzeit 1968, verstorben 2007) arbeitete als Schlosser im gleichen Betrieb. Und selbst Sohn Marco (geb. 1969, verstorben 2013) tat es den Eltern nach, wurde Elektromonteur und im VEM tätig. So herrschte zwar ein gewisser Gleichklang, aber es gab auch keine Sorge um den Arbeitsplatz. Nach 25 Jahren änderte sich das – durch die Wende. Das Werk wurde 1990–1992 zur VEM Antriebstechnik AG Dresden gehörig. 1993 erfolgte die Ausgliederung des Zörbiger Betriebsteils als Schaltanlagenbau GmbH Zörbig, die bald darauf in die Insolvenz ging. Heidemarie Gerber fiel dem Stellenabbau zum Opfer, wurde 1991 arbeitslos. Sie kümmerte sich selbst, suchte eine neue Arbeit. Das gelang und 13 Jahre arbeitete sie fortan im Innendienst und in der Zustellung als Vertreter der Deutschen Post, die letzten drei Jahren mit fester Tour. „Das ist eine Arbeit, die oft unterschätzt wird“, erzählt sie. Termindruck, einen Transporter fahren und hohe Verantwortung waren für Heidemarie Gerber schon eine große Herausforderung. Doch sie bestand! Über den Vorruhestand konnte sie 2005 in die Rente gehen und sich fortan privat ihre Zeit einteilen. Da ihr Mann indessen erkrankt war, kam ihr das sehr entgegen. Ausgleich und Lieblingsbeschäftigung war schon damals der Schrebergarten. Hier fand sie nach dem Tod ihres Mannes auch neues Glück: Ihren Bekannten Jürgen, der seine Frau 2006 verloren hat. In diesem Schicksal gemeinsam verbunden, lernten sich besser kennen und sind fortan füreinander helfend da. Heidemarie Gerber hat ihr Leben lang viel und schwer gearbeitet. Sie hat Ihre kranke Mutter gepflegt, stand ihrem erkrankten Mann zur Seite. Heute hilft sie ihrem Bekannten, kümmert sich um alte Leute, hat sogar einen „freiwilligen privaten Fahrdienst“ eingerichtet und fährt zum Arzt, zum Tierarzt (großes Herz für Tiere) , zu Behörden, wenn jemand ihre Hilfe braucht. Auch Kinder kommen gerne zu ihr. So ist sie eben: Bodenständig, immer in Aktion, hilfsbereit und freundlich. Kurzfahrten mit einem Bus machen ihr Freude, Tierhasser versteht sie nicht und Verwaltungsirrsinn nervt sie gelegentlich. Sie ist zufrieden mit dem was sie hat und mit dem was ist. „Mir ging es vor der Wende auch nicht schlecht, mir geht es heute gut“, resümiert sie abschließend.
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