MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gerhard Geipel
Ein Meisterdieb stahl mit den Augen
Staatswissenschaftler und Bürgermeister i. R.
Fritz-Heckert-Siedlung 58
09337 Hohenstein-Ernstthal
Sich inspirieren zu lassen, ungeahnte Ideen zu entwickeln und neue Dinge zu praktizieren, fiel Gerhard Geipel, geboren am 22.08.1935 in Hohendorf, nie schwer. Neben stetiger Wissensaneignung wusste er: „Stehlen mit den Augen ist nicht verboten.“ Er wurde wahrlich ein Meisterdieb.
Seine Kindheit gestaltete sich schwierig. Als Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands, wurde sein Vater 1933 in Bautzen inhaftiert. Seine Mutter starb als er neun Jahre alt war und mit der späteren Stiefmutter entwickelte sich keine glückliche Konstellation.
Eingeschult in Lichtenstein, setzte er die Schule nach dem Tod der Mutter in Reichenbach fort und verbrachte die letzten Schuljahre in Hohenstein. Eine Lehre zum Maschinenschlosser begann Gerhard Geipel bei der Wismut. Dort kam es schnell zu Veränderungen. Bleiben durfte nur derjenige, von dem mindestens ein Elternteil im Unternehmen beschäftigt war, was auf ihn nicht zutraf. Glücklicherweise konnte er seine Lehre in der Nadel- und Platinenfabrik Hohenstein fortsetzen und beenden.
Um häuslichen Schwierigkeiten zu entkommen, begab er sich 1953 zur Kasernierten Volkspolizei. 1955 wechselte er zum Rat des Kreises Hohenstein-Ernstthal, durchlief sämtliche Abteilungen und besuchte zahlreiche Schulungen. 1965 avancierte er zum Bürgermeister von Kuhschnappel sowie 7 ½ Jahre später zum stellvertretenden Bürgermeister von Hohenstein-Ernstthal. Ein Fernstudium der Staatswissenschaften beendete Gerhard Geipel 1974 mit Prädikat „Sehr gut“ und wurde 1975 in St. Egidien Bürgermeister sowie Gemeindeverbandsvorsitzender. Die dort verbrachten 11 ½ Jahre blieben in bester Erinnerung.
Bis 1990 Bürgermeister von Hohenstein-Ernstthal, wurde er während der Wende Mitbegründer des Runden Tisches sowie Mitinitiator von Städtepartnerschaften. Gewählt zum Abgeordneten, gingen während seiner gesamten Karriere unzählige Errungenschaften auf seine Initiativen zurück. Seine letzte Berufsstation war vom Zufall begleitet. Diesem folgend zeichnete er bis 1996 als Betriebsleiter des Hallenbades für dortige Belange verantwortlich.
Noch heute ist er Harry Thieme, dem damaligen Sekretär des Rates des Kreises, der ihn bei der Einarbeitung in alle neuen Belange unterstützte, dankbar und natürlich stahl er tagtäglich mit den Augen. Gerhard Geipels Schaffen fand Anerkennung durch zahlreiche Ehrungen. U. a. erhielt er 1978 die Verdienstmedaille der DDR sowie 1987 den Vaterländischen Verdienstorden in Bronze.
1958 heiratete Gerhard Geipel seine Irene. Vergönnt war ihm, die Goldene Hochzeit mit ihr noch begehen zu können. Tochter Birgit studierte Pädagogik und Sohn Jürgen beendete sein Studium als Pharmazie-Ingenieur.
Gerhard Geipel wünscht seinen Kindern, vier Enkeln und insbesondere nach seinen Berufserfahrungen den Menschen seiner Region nur das Beste.