MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Christa Gensch
„Man wird von allem satt, aber eins schmeckt besser als das andere.“ (Sprichwort)
Köchin
Stellvertretende Küchenleiterin
Bahnhofstr. 34
04654 Frohburg
Fon: 034348 / 51486
1952 in Meusdorf geboren, berichtet Christa Gensch (geborene Ossyra) heute von einer sehr schönen Kindheit als Einzelkind ihrer Eltern auf dem Bauerngut der Großeltern. Eigentlich sollte ihre Mutter einmal den Hof übernehmen, denn der Vater – ebenfalls Landwirt – arbeitete bereits mit im Betrieb und dessen Fortbestand wäre damit gesichert gewesen. Doch es kam anders. Im Zuge der Gründungen der LPGn zerstritten sich Vater und Großvater wegen der unterschiedlichen Ansichten zum Fortbestand der Wirtschaft. Der Vater wollte selbstständig bleiben, nicht wieder wie ein Knecht dienen müssen. So
suchte er sich eine Arbeit in Frohburg und die Familie zog 1966 mit ihm. Die junge Christa hatte zu dem Zeitpunkt die 8. Klasse abgeschlossen (10-Klassen-Abschluss später nachgeholt), nahm eine Lehre zur Köchin im VEB Kombinat „Otto Grotewohl“ Böhlen auf. Nach drei Jahren hatte sie den Facharbeiterabschluss in der Tasche und in sich eine ausgeprägte Leidenschaft für diesen Beruf entdeckt. In Schichten arbeitend, erlebte sie den Aufbau des Kraftwerkes Lippendorf (Eröffnung 1969, 1975–1990 dort stellvertretende Küchenleiterin), die besten Zeiten des Betriebes und nach der Wende die Stilllegung und Beginn des Rückbaus wegen der nach 1990 gültigen Umweltgesetze. Sie erinnert sich noch gut an die spannende Zeit der politischen Wende in der DDR. Dreimal war sie bei den Leipziger Demonstrationen dabei und selbst heute kämpft sie mit den Tränen, wenn sie darüber spricht. „Das muss man mit erlebt haben“, berichtet sie und spricht über die Emotionen die damals alle mitgerissen haben und nie bereut zu haben dabei gewesen zu sein. Damals war ihr Mann noch an ihrer Seite. 1972 hatten sie und Günter Gensch (Schlosser / Schweißer) geheiratet, zwei Jahre später sich über die Geburt von Tochter Nancy (Bankkauffrau, hat für vier Enkelkinder gesorgt) freuen können. Bis zu seinem Tod im Jahr 2016 konnten beide die Entwicklung der neuen Bundesländer hautnah erleben. 38 Jahre war Christa Gensch alt, als im Jahr 2000 ihre Stelle im Kraftwerk wegfiel. Eine Cateringfirma hatte die Versorgung übernommen, die Umgangstöne der neuen Leitungskräfte waren mehr als gewöhnungsbedürftig. Mit einer kleinen Abfindung ging sie in die Arbeitslosigkeit, nahm Lehrgänge vom Arbeitsamt wahr und arbeitete in verschiedenen Einrichtungen kurzzeitig, jedoch immer im erlernten Beruf. Ihre Geschicke selbst in die Hände nehmend, suchte sie sich eine neue Tätigkeit in einer Catering-Firma (2004–2014, stellvertretende Leiterin der Fleischerei). „Heute haben die Betriebe keine eigene Küche mehr, alles läuft mit Caterern,“ erzählt sie. Trotz aller Begeisterung für den Beruf: Den Ruhestand genießt sie nach 45 Arbeitsjahren auch sehr. Die Zeiten, als in „ihren Küchen“ noch 300–1000 und mehr Essen über den Tresen gingen, halbe Schweine verarbeitet wurden, sind vorbei. Geblieben aber ist ihre Lieblingsbeschäftigung – das Kochen.