MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Johanna Geißler
Vorbild für die eigene Lebensgestaltung war Großmutter Martha
Trikotagennäherin i. R.
Ernst-Grube-Str. 47
08062 Zwickau
Fon: 0375 / 783191
Johanna Geißler wurde am 15.07.1940 im schönen Planitz, dem ehemaligen Sachsenstädtchen, geboren, welches 1944 nach Zwickau eingemeindet wurde. Nach ihrem Schulbesuch, welchen sie 1954 beendete, ergriff sie bei der damaligen und sehr bekannten Strickwarenfabrik „Aktivist“ eine Lehre zur Trikotagennäherin und arbeitete bis 1966 im Ausbildungsbetrieb. 1971 stieg sie, nachdem sie zwei Töchtern das Leben geschenkt hatte, im gleichen Betrieb erneut in Erwerbstätigkeit ein und blieb diesem Unternehmen bis 1998 treu. Aufgrund von Erkrankung bezog Johanna Geißler Erwerbsunfähigkeitsrente. Der Betriebsname hatte sich allerdings schon 1990 nach Übernahme durch „Micado“ geändert. Ca. 2004 endgültig geschlossen, zählt die heutige Ruine zu einer der größten und interessantesten von Deutschlands viertgrößter Stadt Zwickau. Für Johanna Geißler lieferte der Betrieb über Jahrzehnte einen sicheren Arbeitsplatz.
1962 heiratete sie den Feinblechner Klaus. Leider wurde die Ehe nach sechs Jahren geschieden. Doch sie ist stolz darauf, als alleinstehende Frau und alleinerziehende Mutter allen Herausforderungen gerecht geworden zu sein und ebenso darauf, dass ihre Kinder einen guten Weg eingeschlagen konnten. Heidi lebt in Zwickau und arbeitet als Angestellte des Bundes. Sabine lebt bei Sangerhausen, ist Sachbearbeiterin des Arbeitsamtes und schenkte ihrer Mama zwei Enkelkinder.
Nach dem Vorbild ihrer Großmutter Martha gestaltete Johanna Geißler auch ihren Lebensweg. Mit 25 Jahren wurde Oma Martha schon Witwe, ging arbeiten, zog ebenfalls zwei Kinder allein groß und galt trotz der Strapazen als lebensbejahende Frohnatur.
Gesundheitlich eingeschränkt, hat auch die Enkelin nie ihren Optimismus verloren. Wenn sie sich gut fühlt, geht sie spazieren oder löst Kreuzworträtsel. Näh- und Handarbeiten – ihre einstigen Lieblingsbeschäftigungen – kann sie nicht mehr ausüben. Die Gelenke spielen nicht mit. Anstatt dessen hat sich Johanna Geißler noch ein wenig die Welt angeschaut. Mit einer guten Bekannten erkundete sie bis vor wenigen Jahren Deutschland. Mit den Kindern lernte sie u. a. Mallorca, Tunesien, die griechische Insel Rhodos oder Marokko kennen.
Hätte sie die einmalige Chance, um eine Gabe bitten zu dürfen, würde sie gern genauso gut singen wie es ihre Oma vermochte. Doch Johanna Geißler gibt sich bescheiden, wünscht sich für die Zukunft, einen klaren Geist zu behalten und dass sich der Gesundheitszustand nicht verschlechtern möchte. Vor allem die Entwicklung ihrer Enkel möchte die Pensionärin noch so lange wie möglich verfolgen.