MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dietmar und Gisela Geisler
Die Zeiten und ihre Charaktere kennen lernen
Tischler
Webereifacharbeiterin und Facharbeiterin für Lebensmittel
Gorschmitz 57 b
04703 Leising OT Gorschnitz
Dietmar und Gisela Geisler lernen sich in der Tanzstunde kennen und heiraten 1967. Sie nutzen die Möglichkeit ein Haus zu kaufen. Zwei Jahre später wird der Sohn Jens geboren, der bei der Geburt Gelbsucht hat und zunächst im Krankenhaus bleiben muss. Er ist heute Abteilungsleiter der Qualitätskontrolle in einem Betrieb für Fahrzeugkabinen. Zehn Jahre später folgt der Bruder Jan, der später den Beruf eines Gas- und Wasserinstallateurs erlernt.
Dietmar Geisler wird 1948 in Gorschmitz geboren, der Vater arbeitet als Weber, die Mutter versorgt als Hausfrau die Familie, darunter den jüngeren Bruder und die Großmutter. Dietmar Geisler bastelt schon als Kind sehr gern und will einmal ein Handwerk erlernen. Er absolviert eine dreijährige Lehre als Tischler. Ab 1967 leistet Dietmar Geisler seinen Wehrdienst bei den Grenztruppen in Eisenach ab und empfindet später gerade deshalb den Mauerfall am 9. November 1989 als Entspannung. Mit der ganzen Familie fährt er in der gleichen Nacht nach Westberlin und erlebt eine Stadtrundfahrt mit einem Doppeldecker der BVG. Nach dem Ende des Wehrdienstes kehrt er nicht in seinen alten Betrieb zurück, er will der Monotonie der Serienproduktion entfliehen und fängt bei der PGH Raumkunst an, wo vor allem Einzelfertigungen produziert werden. In der Zeit von 1973–1975 baut die Familie in Eigenleistung eine Scheune zum Wohnhaus um. Ab 1978 arbeitet Dietmar Geisler wieder in den Leisinger Möbelwerkstätten, die nun Mustermöbel für Neuentwicklungen bauen. Er muss erleben, wie ideenreiche Neuentwicklungen anschließend bis zur Unkenntlichkeit zum Schlechteren verstümmelt werden. „Ich habe immer nur geschleppt“, meint der Handwerker, wenn er auf sein Arbeitsleben zurückblickt. Ab 1990 erlebt er die zunehmende Entsolidarisierung unter den Arbeitskollegen, die einst den Schein einer Familie erweckt haben. Ab 1994 montiert Dietmar Geisler bei der Firma Küchen-Lindner Küchen und baut sie auf, später arbeitet er bei der Firma Gämmerler AG als Monteur. Genau an seinem 63. Geburtstag kommt auch hier für ihn das Aus.
Die 1947 geborene Gisela Schleising wächst durch Krankheiten ihrer Mutter bei ihrer Tante und Oma in ländlicher Geborgenheit auf. Aus dem Wunschberuf Schneiderin wird schließlich eine Webereifacharbeiterin im Textilwerk, später wechselt sie in einen Betrieb für Möbelbeschläge. Nach der Geburt des Sohnes bleibt sie zunächst zu Hause und arbeitet später zehn Jahre bis 1990 im Dorfkonsum. Sie holt ihren Abschluss als Fachverkäuferin für Lebensmittel nach, was ihr später bei Tengelmann zum Verhängnis wird, wo vor allem die qualifizierten Kräfte entlassen werden, um die Tarifverträge zu umgehen und Kosten zu sparen. Später verfilmt sie bei der DMI Krankenakten, ist während der großen Flut 2002 im Einsatz, um diese vor der Vernichtung zu bewahren. Anschließend erlebt sie, wie der Chef aus dem Westen den Mitarbeitern eine Verlustrechnung aufmacht. Auch deshalb ist sie sehr glücklich darüber, seit 2010 als Rentnerin ihren Ruhestand genießen zu können. Jetzt bleibt mehr Zeit um an Oldtimern zu schrauben und Ausfahrten durchzuführen.