MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Herbert Geißler
Kopf hoch als Zeichen für neuen Mut!
Fabrikstr. 17
09244 Lichtenau OT Krumbach
Fon: 037206 / 82312
Tief bewegt berichtet der 1943 als Sohn eines Kraftfahrers und einer Büroangestellten in Krumbach geborene Herbert Geißler aus seinem Leben. Mit seinem Bruder verlebte er eine schöne Kindheit in einer Umgebung mit Wasser, Wald und Rodelberg – eine Idylle, wie sie sich herumräubernde Jungen nur wünschen können. Doch der Ernst des Lebens erreichte auch ihn. Nach Besuch der Grund- und Mittelschule lernte er drei Jahre Transformatorenbauer und Feinmechaniker im VEB ELFEMA (Elektrofeinmechanik). Im Anschluss an die Lehre absolvierte er einen anderthalbjährigen Dienst in der Nationalen Volksarmee, kehrte danach in den Ausbildungsbetrieb zurück. Ca. ein Jahr später trat die Staatssicherheit an ihn heran, warb ihn für den Dienst in den Reihen dieses Staatsorganes. Als Oberleutnant reichte er sieben Jahre später seine Entlassung ein. Der Grund war die Liebe zu seiner zweiten Frau Erika, einer Fachverkäuferin mit zwei Kindern aus erster Ehe und verwandtschaftlichen Bedingungen, die den damaligen Forderungen der Staatssicherheit widersprachen. So wurde er vor die Entscheidung Frau oder Karriere gestellt, entschied sich für seine Frau, reichte seine Entpflichtung ein und hat das nie bereut. Besonders nicht, weil es eine glückliche Ehe wurde und seine Frau 2014 viel zu früh verstorben ist.
Doch auch im zivilen Bereich hat Herbert Geißler in seinem Arbeitsleben einen erfolgreichen Weg beschritten. Seine schönste Zeit, wie er sagt, war die im VEB ELFEMA. Hier wurde er zur Weiterbildung nach Rochlitz delegiert, absolvierte er berufsbegleitend (Abendschule) eine Meisterausbildung, schloss als Meister für Elektrotechnik ab. Nun umgesetzt in einen Frankenberger Zweigbetrieb arbeitete er als Abteilungsleiter Transformatorenbau, trug Verantwortung für ca. 60 Kollegen und Kolleginnen. Auf der Entwicklung nicht stehen bleiben wollend, nahm er ein Ingenieurstudium auf, schloss als Ingenieur für Elektrotechnik ab, wurde danach als Betriebsstättenleiter eingesetzt und leitete mit einem weiteren Kollegen die drei Frankenberger Zweigstellen des VEB ELFEMA. Das war DDR: Bildungs- und Entwicklungschancen. Auch DDR war: Das Netz von Informanten um frühzeitig Tendenzen, Staatsgefährdungen und unerwünschte Entwicklungen feststellen und beeinflussen zu können. So war lange vor der Wende vielen Staatssicherheitsmitarbeitern klar, dass eine nicht mehr aufzuhaltende Wende einsetzen würde. Sie kam und mit ihr alle positiven und negativen Begleiterscheinungen, die die Menschen seither erleben. Und immer war es, und wieder ist es eine Frage des eigenen Standpunktes, wie man Geschichte und Gegenwart erlebt. Wichtig ist für Herbert Geißler, dass man sich dabei treu bleibt, ehrlich und menschlich ist. Mit seinen Erinnerungen lebt er heute, freut sich über den guten Kontakt zur Tochter Petra mit ihrer Familie, liest und beschäftigt sich im Garten. Ihn kann nichts mehr aus der Fassung bringen sagt er, denn er hat viel durchgemacht, war anerkannt, angefeindet, ausgezeichnet und hinterfragt, geliebt, bekannt, vergessen und unterstützt. Gegensätze, die ihn heute an die jungen Menschen den Rat weitergeben lassen: „Bildet euch, entwickelt euch, passt auf euch auf und bleibt euch selbst treu!“