MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Helag Garbe
„Müde macht uns die Arbeit, die wir liegenlassen, nicht die, die wir tun.“ (Marie von Ebner-Eschenbach)
Landwirtin
Weißer Hirsch 6
01683 Nossen OT Raußlitz
Als Tochter von Landwirten 1938 in Groß-Reichen (Schlesien) geboren, haben sich schlimme Bilder aus früher Kindheit im Kopf von Helga Garbe, geb. Bräuer eingegraben. Der Vater war im Krieg während die Mutter mit ihr und ihrem Bruder Konrad die Heimat verlassen musste. Januar 1945 war es, der Schnee lag zwei Meter hoch als sie die Pferde anspannten und sich der Flüchtlingstreck mit unbekanntem Ziel in Bewegung setzte. Noch heute überlegt sie mit ihrem Bruder, wie die vielen Dörfer hießen wo sie während der Flucht nächtigten und von wo aus sie den grauenvoll roten Himmel über Dresden sahen als die Stadt bombardiert wurde. Sechs Jahre war das Mädchen Helga damals, erlebte die Einquartierung bei einem Bauern, der ihnen erst nur die Pferde abnehmen und eine Schlafstatt verweigern wollte. „Was wir als Kinder durchgemacht haben ist katastrophal, das kann sich heute keiner mehr vorstellen“ fasst sie heute ihre Erinnerungen schließlich zusammen. In Ilkendorf sesshaft geworden, besuchte sie acht Jahre die Schule. Die Mutter ging danach mit ihr los um irgendeine Arbeitsstelle für sie zu finden. Bei der Wollgarnspinnerei Nossen fanden sie eine Stelle. In den Abteilungen Spinnerei, Zwirnerei, Spulerei war sie bis 1962 tätig. Dann wurde ihr Sohn Frank geboren (Schlosser) und die junge Mutter blieb drei Jahre zuhause um sich um ihn kümmern zu können. Frank konnte dann einen Kindergarten besuchen und Helga Garbe wieder arbeiten gehen. Das tat sie in der LPG Raußlitz im Feldbau. Rüben hacken bei Wind und Wetter, Stroh einfahren in brütender Hitze, im Winter Rosenkohl putzen an dem noch der Schnee klebte – das und andere schwere Arbeit war von nun an ihr Los. Doch das Kollektiv war gut, der Zusammenhalt prima und so manche gemütliche Runde ließ die Anstrengungen überwinden. Mit der Wende und Auflösung der LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) wurde Helga Garbe arbeitslos. Mit zwei Jahren ABM und einem für die Rente noch nötigem Arbeitsjahr erreichte sie den Ruhestand. Einige Jahre konnte sie die neue Freizeit noch mit ihrem Mann Kurt (Landmaschinenschlosser, Hochzeit 1958) teilen, der leider im Jahr 2011 verstorben ist. „Ein guter Mann. Nie zänkisch, dafür pfiffig, handwerklich begabt und immer alles gemacht, wenn ich mir etwas wünschte“ schwärmt sie heute noch von ihm. Sie führten eine gute Ehe, die getragen war von Hilfsbereitschaft, Humor, Lebensfreude und gemeinsamem Schaffen. Helga Garbe hat immer gerne gearbeitet, sich Dingen angenommen, die sonst niemand sah. „Mein Vater hat viel gearbeitet, das hat wohl abgefärbt“ erzählt sie und davon Faulheit bei anderen Menschen nicht vertragen zu können, weil sie ihr selbst so wesensfremd ist. Ihr Garten ist ihre Freude, gelegentliche Gespräche mit den Nachbarn Unterhaltung. Dass ihr Sohn gesund bleibt, Arbeit hat und die Enkeltochter sich gut entwickelt ist ihr größter Wunsch.