MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ingeborg Galluhn
Stolz auf ein Leben mit seinen Höhen und Tiefen
Biendorfer Bogen 15
06366 Köthen
Fon: 03496 / 509168
Ingeborg Galluhn wird am 24. Juli 1942 in Torgau an der Elbe geboren. Der Vater arbeitet als Tischler und bildet Lehrlinge im Schacht aus. Die Mutter ist Büroangestellte. Von 1954 bis 1974 ist sie Bürgermeisterin und Standesbeamtin in Gürzig und hat in 20 Jahren rund 2000 Ehepaare getraut. Ein Cousin der Mutter ist der Schriftsteller Bruno Apitz, dessen Roman „Nackt unter Wölfen“ zu Weltruhm gelangt ist. Während des Krieges bewacht der Vater einen Flugplatz in Köthen, dadurch kommt auch die Familie hierher. Ingeborg Galluhn geht in Gürzig acht Jahre zur Schule, seit der 7. Klasse steht für sie fest, dass sie einmal Lehrerin werden will. Sie besteht mit Bravour die Aufnahmeprüfung am Lehrerbildungsinstitut in Köthen und beginnt dort ab 1959 ein zweijähriges Studium, das sie erfolgreich als Grundschullehrerin und als Lehrerin für den Sportunterricht der fünften bis achten Klassen abschließt. Dazu bringt sie die besten Voraussetzungen mit, sie wird 1957 Kreismeisterin im Köthener Bezirk für die Sportart Geräteturnen. Im Sportunterricht führt sie genau Buch und lässt sich von ihren Schülerinnen kein X für ein U vormachen.
Nach dem Abschluss des Studiums werden die Absolventinnen fast alle nach Mecklenburg vermittelt, da hier akuter Lehrermangel herrscht. Ingeborg Galluhn bekommt eine Wohnung im 500-Meter-Grenzstreifen zugewiesen. Ihr damaliger Mann ist ein Leutnant der Grenztruppen, 1963 wird der Sohn Jürgen geboren. Später flieht der Mann in den Westen, sie wird von der Stasi ein viertel Jahr unter Arrest gestellt, der Bauer, über dessen Hof die Flucht erfolgt ist, wird zwangsumgesiedelt. Der Sohn Jürgen kommt in dieser Zeit bei guten Bekannten, der Familie Strich, unter, die sich aufopferungsvoll um ihn kümmern. Dieser erlernt später den Beruf eines Autoschlossers, fährt dann einen Bus und betreibt jetzt in Leverkusen eine Busfirma. Dem Vater gelingt es in den achtziger Jahren, ihn in den Westen zu locken.
Auch eine zweite und dritte Ehe gehen nach wenigen Jahren in die Brüche. Die 1970 geborene Tochter Iris stammt aus der zweiten Ehe und arbeitet heute im Druckhaus Köthen. Inzwischen gehören drei Enkelkinder zur Familie.
Im Jahr 1966 kehrt Ingeborg Galluhn nach Gürzig zurück, die Mutter besorgt ihr hier eine Wohnung, was zu Neiddiskussionen führt. Bis in das Jahr 2004 unterrichtet sie in Gürzig und wird sehr oft ausgezeichnet. Bis heute treibt Ingeborg Galluhn sehr viel Sport, jeden Morgen nach dem Aufstehen sind zunächst zehn Minuten intensive Gymnastik angesagt. Auch Geräteturnen und Ausdauerlauf gehören nach wie vor zum Programm. Inzwischen hat sich die Pädagogin an den Ruhestand gewöhnt, sie kocht und bäckt sehr gern und hat immer wieder Freude an einem guten Essen.