MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Helene Gebhardt
Immer wieder „hochgerappelt“
Dessauer Str. 207 b
06118 Halle
Fon: 0345 / 5224665
Als die kleine Helene 1934 in Breslau geboren wurde, lag bereits in Schatten über ihrem jungen Leben. Die Eltern – an Tuberkulose erkrankt – starben und sie lebte die ersten vier Jahre in einem Heim. Kurzer unbeschwerter Zeit bei der ältesten Schwester der Mutter folgte 1945 die Flucht aus der Heimat. In Stanau angekommen, gelang es den Pflegeeltern Paul und Anna Mischke mit ihrer Arbeit mehr schlecht als recht die kleine Familie zu ernähren – das Mädchen Helene lernte, was es heißt, hungern zu müssen. Nachdem sie 1948 die Schule beendet hatte, selbst noch unmündig und nicht adoptiert war, entschied der Staat über ihren weiteren Lebensweg. Als landwirtschaftliche Gehilfin musste sie arbeiten, verdiente 15 Mark im Monat. Zeiten als Kindermädchen bei einer russischen Offiziersfamilie, als Waldarbeiterin und in einer Gastwirtschaft folgten. 100 Mark verdiente sie nun. Im Institut für Schweißtechnik erhielt sie erstmals die Chance auf berufliche Ausbildung, wurde technische Röntgenprüferin. Das Leben begann jetzt seine positiven Seiten zu zeigen. 1957 hatte sie ihren Mann Manfred (Möbeltischler) geheiratet, 1960 machte sie sich ihr schönstes, eigenes Geburtstagsgeschenk: Sohn Ulrich (Dreher) wurde geboren. Helene Gebhardt blieb eine Zeit zu Hause, nahm danach die Arbeit im VEB Hermes auf und qualifizierte sich nebenher auf der Abendschule für die Lohnbuchhalterstelle, die sie eingenommen hatte. Eigene Krankheit führte zu Unterbrechungen der beruflichen Tätigkeit und Veränderung der weiteren Arbeitgeber. Als Wäscherin arbeitete sie, als Pförtnerin wurde sie eingestellt, die Lohnbuchhaltung in der GALA (Gartenlandschaftsgestaltung) erledigte sie, als Verkaufstellenleiterin der Betriebsverkaufsstelle kehrte sie in das Institut für Schweißtechnik zurück. Und wieder war es dieser Betrieb, der ihr ermöglichte sich weiterzubilden. Zwei Jahre drückte sie erneut die Schulbank, erlangte den Facharbeiterbrief als Verkäuferin, das Zertifikat als Verkaufsstellenleiterin (1972). Ständig gesundheitlich angegriffen, musste sie sich 1988 einer schweren Operation unterziehen, wurde Invalidenrentnerin. Viel Leid hat sie ertragen müssen, ist heute auf Grund der abgelehnten Pflegestufe sehr auf die Hilfe ihres Mannes angewiesen. Sie betrachtet er als großes Glück ihn gefunden zu haben und mit ihrer Familie so einen harmonischen Umgang zu pflegen. Neben den beiden Enkeln, hat sie sich über das jüngst geborene Urenkelchen sehr gefreut. Kochen und Backen waren immer ihre Leidenschaft und Manfred Gebhardt werkelt noch heute gerne in seinem Garten, den er innerhalb von nur fünf Minuten erreichen kann. 50 Jahre werden es nun, dass er als „Laubenpieper“ aktiv ist und wenn die Gesundheit mitspielt will er es auch noch lange bleiben. Ein arbeitsreiches, ein turbulentes und entbehrungsreiches Leben hatten die Gebhardts. Doch Helene Gebhardt verrät ihr Rezept es bewältigt zu haben: „Ich rappel mich immer wieder hoch!“