MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Heinz Gebhardt
Doch es kam alles ganz anders
Schlosser / Ingenieur für Maschinenbau
08132 Mülsen
Schlosser wurde Heinz Gebhardt, geboren 1933 in Ramsin bei Bitterfeld, notgedrungen. Weil es keine anderen freien Lehrstellen gab, bewarb sich der Anhaltiner, wie viele andere auch, für diesen Beruf und wurde zugelassen. Von 1947 bis 1950 eignete er sich im Bitterfelder Braunkohlentagebau theoretisches und praktisches Fachwissen an. Von den Eltern konnte er keine Hilfe erwarten. Der Vater war Zimmermann, die Mutter Briefträgerin. Nach bestandener Lehre arbeitete Heinz Gebhardt noch ein Jahr im Tagebau. Die folgenden Jahre sollten jedoch sein Leben grundlegend verändern. „1951 suchte die ‚Freie Deutsche Jugend’ (FDJ) junge Männer, die für ein paar Monate im Zwickauer Steinkohlenbergwerk ‚Martin Hoop’, also unter Tage, arbeiten wollten. Ich zeigte Interesse und fuhr mit anderen Jugendlichen in Richtung Sachsen. Da ich in der Zeit meine spätere Frau Ilse kennen gelernt hatte, blieb ich hier“, schmunzelt Heinz Gebhardt. Ab Januar 1952 durfte er sich „Bergarbeiter“ nennen. Nach einem Vierteljahr geschah etwas Unfassbares: Bei einem Grubenunglück starben 47 Bergleute. Heinz Gebhardt hatte Glück, erlitt jedoch Verbrennungen dritten Grades und eine Kohlenmonoxydvergiftung. Im Krankenhaus spielte er mit dem Gedanken, die Arbeitsstelle zu wechseln. „Aber ich blieb Grubenschlosser. Daraus wurden 25 Jahre. Auf der Abendschule holte ich die mittlere Reife nach und schloss in Zwickau ein Fernstudium zum Maschinenbauingenieur mit Erfolg ab. Bis zur Schließung des Schachtes in den 70er Jahren war ich als Maschinensteiger im Drei-Schicht-System tätig“, erzählt Heinz Gebhardt, der später Investbauleiter und Produktionsleiter in einem Betrieb für Wärmeanlagen wurde. Bis zur Wende kümmerte er sich um die Instandsetzung von transportablen Heizwerken. 1991 ging Heinz Gebhardt schließlich in Rente. Seitdem hat er mehr Zeit für Arbeiten auf dem großen Gartengrundstück, für Dokumentationen im Fernsehen und seine Familie. Ehefrau Ilse, Weberin und Mitarbeiterin in einer Schulküche, starb bereits 2011. Trost findet Heinz Gebhardt bei Sohn Andreas, Diplom-Ingenieur für Schweißtechnik von Beruf, bei zwei Enkelkindern und einem Urenkel.
„Eigentlich wollte ich Musiker werden. Ich spielte Harmonika und Akkordeon, war sogar bei den ‚Martin-Hoop-Schrammeln’ dabei“, gesteht der einstige Bergarbeiter. Dass es anders kam, darauf kann er mit Fug und Recht stolz sein.