MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Angelika Ganskow
„Ich kann, weil ich will, was ich muss“ (I. Kant)
Inhaberin Zahnarztpraxis Weinbergstr. 8 16225 Eberswalde Fon: 03334 / 282268 Fax: 03334 / 282422
Als Angelika Ganskow, geb. 1953, sich entschloss die Erweiterte Oberschule zu besuchen, tat sie das mit dem Ziel einmal als Dolmetscherin arbeiten zu können. In einer Sprachklasse wollte sie sich auf das Studium vorbereiten, doch es kam anders. Die Bewerberzahl auf diesen Studiengang war wesentlich höher als der Bedarf an Dolmetschern und entsprechend wurde darauf verwiesen, man solle sich anders orientieren. Das tat sie dann auch, nicht ohne Schwierigkeiten, denn als Schülerin einer Sprachklasse belegte sie nicht alle erforderlichen naturwissenschaftlichen Fächer. Ein Beschluss des Zentralkomitees der DDR mehr Zahnärzte auszubilden fiel in diese Zeit des Umorientierens. Im Elternhaus diskutiert, erinnerte man die junge Angelika, dass sie doch schon als Kind mit ihren Puppen Zahnarzt gespielt hatte und dass dieser Beruf zudem eine immer währende Beschäftigung garantiere. In DDR-Zeit ein belächeltes Argument, kannte man doch Arbeitslosigkeit in diesem Land nicht. Nach Ablegen des Abitur 1972, nahm sie – so motiviert – also an der Humboldt-Universität zu Berlin ihr Studium der Zahnmedizin auf, beendete es 1977 und trat ihre erste Stelle in der Poliklinik am Tierpark in Berlin an. Hier absolvierte sie 1983 auch ihre Facharztausbildung. Wegen familiärer Entscheidungen 1988 nach Eberswalde gezogen, gestaltete sich die weitere Arbeit schwierig. Die in der DDR benötigte Planstelle war nicht frei und so wurde Angelika Ganskow in drei verschiedenen Stellen je teilzeitbeschäftigt. Schlechte Voraussetzungen, um sich einen stabilen Patientenstamm aufzubauen, den man in ihrem Metier mit Eintritt der politischen Wende in der DDR dringend benötigt hätte, um unter den neuen wirtschaftlichen Bedingungen Fuß zu fassen. „Man wurde förmlich in die Selbstständigkeit getrieben“, erzählt Angelika Ganskow heute und erinnert sich an die schwere Zeit des Hausbaus mit Praxis und des Spagates zwischen dem Erfordernis sich beruflich selbstständig zu machen und dem Anspruch an eine Mutter mit drei schulpflichtigen Söhnen (Zwillinge Uwe und Nico, geb. 1979 und Imanuel, geb. 1986). Persönliche Probleme taten sich auf, wirtschaftliche Schwierigkeiten setzten ihr zu. Sie hat alle Unwegsamkeiten gemeistert, arbeitet seit 2003 in eigener Praxis mit zwei Zahnärztlichen Helferinnen. Die Herausforderung an ihre Berufsgruppe und sie selbst ist geblieben: Wenig Patienten mit geringen Budget für Zusatzleistungen, behandelt von zu vielen Zahnärzte. Sie habe in der DDR besser gelebt, sagt Angelika Ganskow, denn die Menschen hatten dort einfach mehr Sicherheit. Heute verweist sie auf Immanuel Kant: „Ich kann, weil ich weiß, dass ich muss“ und spiegelt damit die eigene Situation wider.