MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ulrich Füg
Ein rechtschaffenes Arbeitsleben
Konditor, Koch, Beikoch Küchenhelfer
07356 Bad Lobenstein
Ulrich Füg wird 1955 in Lobenstein geboren und wächst in Unterlemnitz auf. „Ich komme aus einer Bauerndynastie, die rund 500 Jahre alt ist“, erzählt er nicht ohne Stolz. Schon als Kind packt er in der elterlichen Landwirtschaft mit an und hat sehr viel Freude an dieser Arbeit. Im Jahr 1961 wird Ulrich Füg eingeschult, in der zweiten Klasse schubst ihn ein fremder Schüler während des Schwimmens unvermutet ins Wasser, obwohl er gar nicht schwimmen konnte. Der Schock über diesen unvermuteten Angriff ist so groß, dass er seit dieser Zeit stottert. Nach dem Abschluss der achten Klasse erlernt Ulrich Füg den Beruf eines Konditors, für den er sich ebenfalls schon sehr früh interessiert hat. Nach drei Jahren schließt er 1972 die Lehre ab und arbeitet bis 1975 in seinem Ausbildungsbetrieb. Eine Mehlallergie zwingt ihn dazu, sich umzuorientieren. Vom Mai bis zum September 1975 arbeitet er in Prerow an der Ostsee als Beikoch, die Allergie hört nach einigen Tagen auf. Ab Oktober arbeitet Ulrich Füg als Beikoch in Bad Blankenburg und wechselt im März 1977 in das Ferienheim der Gewerkschaft „Rudi Arnstadt“ in Wurzbach, wo er als Koch angestellt wird und bis zum Dezember 1990 beschäftigt ist.
Nach vier Monaten Arbeitslosigkeit findet Ulrich Füg im April 1991 eine Anstellung im „Ferienhotel am Frankenwald“ in Wurzbach, wo er genau zehn Jahre arbeitet. Das Betriebsklima hier sagt ihm überhaupt nicht zu, nach einer Auseinandersetzung wird er 2001 fristlos entlassen. Er muss sich arbeitslos melden und arbeitet von 2001–2002 als Aushilfskraft mit einem Stundenlohn von 4 € in den Marktstuben in Lobenstein und von 2002–2004 in der Median-Klinik in Lobenstein als Küchenhelfer. Von August 2004 – Mai 2006 ist er als Küchenhilfskraft und Beikoch im Vater-Mutter-Kind-Kurheim in Lückenmühle bei Remptendorf tätig. Wieder arbeitslos bezieht er ein Jahr Arbeitslosengeld, bevor er 2005 zum HARTZ-IV-Empfänger wird. Die Zeit wird ihm nicht lang, er kümmert sich aufopferungsvoll um seine Familie, unterstützt Eltern und Bruder bei ihren täglichen Herausforderungen, denn die Eltern sind hochbetagt, der Bruder leidet an Depressionen. Die Kinder des Bruders zeigen keinerlei Interesse an ihrem kranken Vater, so dass die ganze Last auf den Schultern von Ulrich Füg liegt, was die Betreuung noch anstrengender macht, als sie es ohnehin schon ist.
Auf HARTZ-IV angewiesen erlebt er auf den zuständigen Ämtern eine entwürdigende Bürokratie, die auf seine persönliche Situation keine Rücksicht nimmt. Schließlich wird er für erwerbsunfähig erklärt und muss im Sommer 2006 trotzdem eine vierwöchige Haftstrafe wegen einer Ohrfeige antreten, die er seiner Schwägerin verabreicht hat, nachdem diese seinen Vater sehr beleidigt hat.
Doch seinen Lebensmut hat sich Ulrich Füg trotz allem nicht nehmen lassen. Er ist in der Freizeit viel in der Natur unterwegs und denkt gern an seine Reise mit dem russischen Segelschulschiff „Khersones“ zurück, mit dem er im September 2001 – im Jahr seiner Entlassung vom „Ferienhotel am Frankenwald“ und mittels einer erhaltenen, kleinen Abfindung – von Bremen bis nach Lissabon gereist ist und wo die ca. 70 russischen Kadetten noch in Hängematten schlafen.
Ulrich Füg lebt sehr gern in seiner Heimatregion und das seit 2003 mit einer Lebensgefährtin, und seit 2014 als Rentner mit schmalen Einkünften. „Arbeit findet man in dem Alter nicht mehr, und wenn, dann nur sehr schlecht bezahlt...,“ berichtete er. Und so arbeitet er viel im Garten. Und weil er sehr gerne reist, wünscht er sich einen Lottogewinn, mit dem er sofort eine richtige Weltreise unternehmen würde.