MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Bärbel Fuß-Glout

„Lebe heute, vergiss die Sorgen der Vergangenheit“ (Epikur)

Bärbel Fuß-Glout

Franzstr. 125
06842 Dessau-Roßlau
Fon: 0340 / 8828155

Einfach war der Start ins Leben für das 1940 geborene Mädchen Bärbel nicht. Die Mutter starb, als sie drei Jahre alt war und das Elternhaus mit der neuen Mutter war nicht so sehr auf ihre Entwicklung ausgerichtet. Zur Oberschule gehen und vielleicht einmal Germanistik zu studieren entfiel dadurch. „Teuer genug geworden“, sollte sie die 8. Klasse verlassen, einen Beruf lernen und Geld verdienen. Das tat sie dann auch, nahm die Lehre zur Friseurin auf. Doch der Umgang mit den chemischen Pflegeprodukten führte zur gesundheitlichen Untauglichkeit für diesen Beruf und zur Arbeitsaufnahme bei der Deutschen Post. Als Eilbotenzustellerin, Zeitungszustellerin, in der Abfertigung, im Telegrafendienst und am Kundenschalter war sie fünf Jahre lang tätig. Die erste Ehe und die Geburt von Tochter Monika (Dipl.-Ing.-Pädagogin) unterbrach diese Arbeit. Im Anschluss zeigte sich, dass die Arbeitszeiten mit der Kindbetreuung nicht mehr zusammenpassten und so wechselte die junge Frau in eine Sachbearbeitertätigkeit (Baggerfabriken und Gerätebau Lauchhammer), nutzte hier das Angebot der Qualifizierung zum Industriekaufmann – neben der täglichen Arbeit und der Herausforderung als allein erziehende Mutter, denn die erste Ehe war bereits geschieden. Neues Glück fand sie durch eine Zeitungsanzeige. Mit ihrem zweiten Mann Heinz Fuß (dreifachen Ingenieur, Heirat 1976, verstorben 1984) fand sie einen Partner, von dem sie heute noch sagt „So einen findet man nicht wieder!“ Gerne folgte sie ihm nach Dessau, wurde im gleichen Betrieb (VEB Betonbetrieb) wie er, als Sachbearbeiterin in der Materialbeschaffung tätig. Nach dem Tod ihres Mannes musste sie aus finanziellen Gründen in die Schichtarbeit wechseln, fing in der Magnetbandfabrik an und war für die Betreuung einer Strafgefangenenbrigade zuständig. Mit der Wende und den ersten Entlassungen, drängte sich die Angst um den Arbeitsplatz auf. „Hoffentlich bist du nicht dabei“, waren die Gedanken, die sich später wandelten in „wärst du mal dabei gewesen, dann hättest du noch mehr Chancen gehabt, etwas neues zu finden.“ Im Dezember 1991 war es soweit. Gekündigt und über 50 Jahre alt, musste sie die Erfahrung machen, dass im neuen System dieses Alter schwer vermittelbar für einen Arbeitsplatz war. So hielt sie sich mit Gelegenheits- und Kurzzeitarbeiten über Wasser, arbeitete für die Volkssolidarität, absolvierte erfolgreich einen Altenpflegelehrgang. Doch auch hier gab es keine neue Möglichkeit im angestellten Verhältnis tätig zu werden. Dafür zu alt, wäre es aber durchaus „zumutbar“ gewesen, sich selbstständig zu machen in dem Metier...Diese Verschiebung von Verantwortung, Risiko und Investitionsbedarf nahm Bärbel Fuß nicht an. Alternativ gehörte sie fortan zum Heer der Arbeitslosen, besserte die Bezüge mit Pauschaltätigkeiten auf. Immer noch besser, als zu Hause untätig zu sein, fand sie und war sich für keine Arbeit zu schade. Doch das Glück kehrte noch einmal für kurze Zeit zurück: 1994 privat durch die Ehe mit ihrem Mann Jochen Glout (im gleichen Jahr verstorben) und beruflich mit einer ABM-Stelle, einem Computer-Lehrgang und einer Anstellung als Sekretärin für drei Jahre – bis zur Insolvenz dieser Firma durch die mangelnde Zahlungsmoral der Auftraggeber. Zwei weitere ABM-Maßnahmen kürzten den Weg in die Rente mit 60 (zeitweise Sonderregelung) im Jahr 2000 ab. Lang wird ihr die Zeit seither nicht. Gerne verbringt sie einen Teil davon mit Tochter, Schwiegersohn und Enkelsohn (Dipl.-Ing.), besucht das Theater, liest, bastelt, löst Kreuzworträtsel, geht shoppen, trifft sich früheren Arbeitskolleginnen, spielt Scrabble, reist auch mal gerne und interessiert sich. Denn „wer nicht offen ist für alles, für den interessiert sich auch bald keiner mehr“, sagt sie.
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