MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Susanne Fülle-Delbarre
Die Faszination der Sprachen
Dolmetschen – Übersetzungen
Karl-Liebknecht-Str. 19
06114 Halle
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Susanne Fülle-Delbarre hatte als Kind nur zwei Wünsche: Pilotin wollte sie werden oder Dolmetscherin. Den ersten Wunsch zu realisieren war in der DDR nicht möglich, den zweiten machte sie wahr. Russisch war in der Schule sowieso Pflichtfach, Französisch lernte sie ab der 7. Klasse. Als während ihrer Schulzeit an der Erweiterten Oberschule ein Kinder- und Jugendaustausch mit französischen Gästen stattfand, war sie diejenige, die man bat sprachlich zu vermitteln – das erste Praxisschnuppern für den späteren Beruf! 1974–1979 studierte die junge Frau an der Universität Leipzig, schloss als Diplomsprachmittlerin ab. Zu einer Zeit, in der die DDR weltweit um ihre Anerkennung kämpfte, Botschaften und Handelvertretungen einrichtete und für diese Institutionen sprachlich geschultes Personal benötigte, war der Bedarf an Ausbildern für diese Kader groß. „Umlenkung“ hieß das Stichwort und bedeutete in der Realität für Susanne Fülle-Delbarre eine Veränderung der beruflichen Herausforderung. Nicht als Dolmetscher, sondern als Lehrer wurde sie nun eingesetzt. In Gasthörerschaft holte sie das Lehrerstudium an der Martin-Luther-Universität Halle nach (Abschluss 1984) – Berufsbegleitend, denn seit ihrem Diplomsprachmittlerabschluss 1979 lehrte sie bereits selbst an dieser Universität, bildete Lehrkräfte für Algerien aus, bereitete Kundendienstingenieure und Manager sprachlich auf ihre Aufgaben im westlichen Ausland vor. 1985 erfolgte eigene Weiterbildung (Reaktivierung Russisch, Methodik Intensivausbildung Französisch) an der Lomonossow-Universität Moskau. Die partnerschaftlichen Beziehungen der Martin-Luther-Universität Halle zur Universitè Charles de Gaulle Lille ließen 1988–1990 die Arbeit als Deutschlektorin an dieser zu. So erlebte Susanne Fülle-Delbarre die politische Wende der DDR in Frankreich. Hier lernte sie auch ihren späteren Mann Roger kennen (Heirat 2000, Informations- und Kommunikationswissenschaftler, promoviert und habilitiert, zum Professor berufen). Zurück in Deutschland arbeitete sie weiter an der Universität, lehrte im Magisterstudiengang Fachübersetzen Französisch. Mit Ausgliederung der Ausbildung Fachübersetzen an die Universität Magdeburg / Stendal war sie ein Semester lang dort tätig, übernahm Lehrveranstaltungen in den Bereichen Interkulturelle Europa- und Amerikastudien, Medien- und Kommunikationswissenschaften. Ihre Arbeit heute: Lehrer für besondere Aufgaben, verbindet sie mit ihrer Selbstständigkeit als Dolmetscherin und Übersetzerin seit 1993. In der DDR gehörte sie seit 1980 dem Verband der Sprachmittler an (VDS), führte dieses Engagement seit der Wiedervereinigung im Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzter e. V. (BDÜ) weiter. Seit 2004 war sie Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen-Anhalt der Dolmetscher und Übersetzer e. V., ist indessen die Vizepräsidentin des Bundesverbandes. Zeit bleibt ihr kaum und daher kommt wohl auch ihr Wunsch mit Augenzwinkern: 200 Jahre alt werden!