MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Ingeborg Förster

Damenmäntel aus Igelit

Ingeborg Förster

Damenmantelnäherin i. R.
Langjährige Betriebsstellenleiterin
07937 Zeulenroda-Triebes

Auf ihre berufliche Entwicklung kann sie sehr stolz sein, erklomm sie mit Herz, Einsatzfreude und Intellekt die Karriereleiter Sprosse für Sprosse. Ingeborg Förster wurde am 18.02.1927 in Pausa geboren und lebte bis zum 8. Lebensjahr dort. Danach zog die Familie nach Zeulenroda, wo der Vater als Lohnbuchhalter arbeitete. Die Tochter beendete die Volksschule, absolvierte ihr Pflichtjahr in einer Sattlerei und erhielt 25 Mark pro Monat. Mutter bestand auf Kostgeld, doch wie Mütter so sind, nutzte sie es nicht und legte ihrer Tochter ein kleines Sparguthaben an. Schon als junges Mädchen betreute sie die Kinder eines Unternehmerpaares, half in der Näherei aus, beabsichtigte allerdings, eine kaufmännische Lehre zu absolvieren. Ein Einstellungsstop verhinderte dies und somit erlernte sie von 1942/45 den Beruf der Damenmantelnäherin aus Igelit. Andere Materialien standen nicht zur Verfügung. Ingeborg Försters besondere Begabungen blieben nicht unbemerkt. Versiert leitete sie schon kleinere Arbeitsgruppen und somit schickte der Betriebsleiter die junge Näherin zur Begabtenförderung an die DAF, die deutsche Arbeitsfront. 1948 heiratete sie ihren Erich, Tischler, und lebte mit ihm in nur einem Zimmer mit Küche. Auch weiterhin als Näherin tätig, machte man sie mit allen Abteilungen bekannt und Lagerein- wie -ausgänge kannte sie aus dem FF. 1953 wurde der Betrieb ein volkseigener und Ingeborg Förster BGL-Vorsitzende. Sie gehörte dem Zentralvorstand Textil, Bekleidung und Leder an, stieg zur Produktionsleiterin und 1978 sogar zur Betriebsstellenleiterin mit 250 Beschäftigten auf. Nebenbei machte sie den Meisterabschluss, doch das Lernen war schwierig. Im einzigen Zimmerchen suchte ihr Mann am Abend Entspannung beim Fernsehen. Doch sie hatte Glück. Der Vermieter überließ ihr nach Umbau das Studierzimmer seiner inzwischen erwachsenen Kinder. Später vergrößerte sich die Wohnung um weitere Zimmer und nun lebt Ingeborg Förster schon seit 64 Jahren in ihrem Heim. Genäht hat sie immer – schicke Garderobe für sich und außer Anzügen auch alle Textilien für ihren Mann. Das Paar fuhr in Urlaub, rätselte gern, schickte die Lösungen ein und Erich Förster gewann manchen Preis. Leider verstarb er 1997. Als der Schock überstanden war, begann sie zu reisen, erkundete Europa und danach die Welt. Außer Australien lernte sie alle Kontinente kennen und war u. a. in Thailand, China, Amerika oder Indien – und das war gut so. Hör- und Sehkraft verlierend, gestalten sich Fernreisen jetzt als zu beschwerlich. Doch eines ließ sich Ingeborg Förster nicht nehmen. Jedes Jahr geht’s für einige Wochen in die Sommerfrische nach Zingst und Damenmäntel aus Igelit gehören der Vergangenheit an.
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