MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Annerose Fuchs

Ein ehrliches Leben in bewegten Zeiten

Annerose Fuchs

Landwirtin
07570 Harth-Pöllwitz

Annerose Fuchts kommt am 2. Januar 1937 zur Welt und wächst in Großbocha auf, wo sie schon sehr früh in der Landwirtschaft mithilft. Der Vater wird nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1945 denunziert und muss die folgenden drei Jahre im ehemaligen Nazi-KZ Buchenwald verbringen. Die Denunzianten der Nazizeit entpuppen sich nun als die Zuträger der neuen Macht. „Wer den Mut verliert, hat schon verloren“ schärft der Vater der Tochter aufgrund dieser Erfahrungen immer wieder ein. In der Schule fällt Annerose Fuchs mit ihrer Begabung im Fach Mathematik auf. Trotzdem muss sie nach der achten Klasse die Schule verlassen und die Familie unterstützen, auch wenn ihre Lehrer sie für die Erweiterte Oberschule vorschlagen. Es ist die Zeit der ersten Kollektivierungswelle. Wie viele Bauern, werden auch ihre Eltern mit kleinlichen Schikanen und Kontrollen unter Druck gesetzt, der Volksaufstand am 17. Juni 1953 bringt zunächst einige Jahre der Entspannung. Mit der Ausrufung des „Sozialistischen Frühlings“ im Jahr 1959 verschärft sich der Druck erneut. Als die Familie ihre Feldscheune, die während eines Sturms zerstört worden ist, wiederaufbauen will, sind die Behörden nur dann zu einer Genehmigung bereit, wenn sie in die LPG eintritt. Als so genannter Patenbetrieb quartiert die Stasi-Bezirksverwaltung Gera ihre Mitarbeiter zwangsweise bei den Bauern ein, um sie so zu zermürben, auch die Familie von Annerose Fuchs ist betroffen. Der Vater wird zur Gemeindeverwaltung bestellt und unterschreibt, als man ihm wegen „Sabotage“ die Verhaftung androht. Die Erinnerungen an die Haft in Buchenwald sitzen ihm immer noch in den Knochen. Später erfährt er, dass er von der Stasi als Schlüsselfigur ausersehen ist, durch sein Nachgeben auch die anderen Dorfbewohner zum Beitritt zu bewegen. Er wird später LPG-Vorsitzender, auch hierbei üben die Behörden Druck aus. Der Sohn des Vaters wird ebenfalls von Schikanen betroffen und zwei Mal kurz hintereinander zur Armee einberufen, um ihn vom Übertritt von der LPG Typ I zur LPG Typ III zu bewegen. 1961 heiratet die junge Annerose ihren Mann Edgar Fuchs und zieht zu ihm nach Birkhausen auf seinen elterlichen Hof. Beide sind nun dort in der Landwirtschaft tätig, Edgar Fuchs im Feldbau der LPG und Annerose Fuchs betreibt dort die Schweinezucht. Nebenher erhalten sie mit ihrer Arbeit den elterlichen Hof aufrecht. Annerose betreut zudem die Schwiegereltern und ihre blinde Tante bis 1974. Trotz der harten Arbeit denkt sie an eine sehr schöne Zeit zurück. Rückblickend sieht sie auch die Vorteile der Genossenschaft. Ihre Kinder konnten damals ungestört lernen und sie achtete sehr streng darauf, dass sie sich in der Schule anstrengten um gute Zensuren nach Hause zu bringen. Heute sind alle vier Kinder sehr erfolgreich. Die 1962 geborene Tochter Corina arbeitet als Architektin, der drei Jahre später geborene Sohn Karsten ist Diplom-Landwirt. Tochter Carmen, 1967 geboren, studierte Anlagentechnik, arbeitete in einer Bäckerei in Gera, die jedoch nach der Wende abgerissen wurde. Die jüngste Tochter Claudia wurde 1976 geboren. Sie wollte eigentlich Gartenbau erlernen, doch die Wende machte ihr einen Strich durch die Rechnung. So wurde sie schließlich Diätassistentin. Zur Familie gehören inzwischen neun Enkel. Ehemann Edgar Fuchs litt an schwerem Rheuma, wurde deshalb bereits 1984 in die vorzeitige Rente geschickt. Bis zu seinem Tod 2012 konnten die Eheleute trotzdem gemeinsam ein erfülltes Leben führen.
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