MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Ursula Frotscher

„Im Wesen der Musik liegt es, Freude zu bereiten“ (Aristoteles)

Ursula Frotscher

Fachberaterin Musik i. R.
Feldstr. 10
06792 Sandersdorf
Fon: 03493 / 88456

Eine lebenslange Liebe verbindet die 1931 geborene Ursula Frotscher mit der Musik. Zurückzuführen ist diese auf ihr Elternhaus, erzählt sie. Und vom Vater, der aus ärmlichsten Verhältnissen kommend, eine große Wissbegier entwickelt hatte und eine unsagbar große Hinwendung zur Musik und der sich nie Musikinstrumente hätte leisten können, wären sie ihm nicht von den reichen Leuten, die er durch seine Arbeit als Wäschehändler kennenlernte, geschenkt worden. Unterrichtet hat er sich selbst. Die Eltern und Lehrer des Mädchens Ursula erkannten schnell ihre Intelligenz und ihre Begabung, wollten beides fördern. Sie ermöglichten ihr trotz aller Widrigkeiten, wie Geldnot und Kriegszeit mit Mangel an allem, den Besuch der Höheren Mädchenschule, ein eigenes Klavier und Klavierunterricht. Als Arbeiterkind auf die Schulgeldfreiheit angewiesen, musste die junge Ursula stets mehr leisten, als die Kinder mit reichen Eltern. Das führte zu einer Zielstrebigkeit, die sie auch in der musikalischen Bildung beibehielt. Musiklehrerin wollte sie unbedingt werden, mit Kindern arbeiten. Glück für sie war, eine Zeit Klavierunterricht von Studienrat Werner Reichel zu erhalten. Er bereitete sie intensiv auf ihr Studium vor, das sie nach dem Abitur 1949 an der Martin-Luther-Universität in Halle an der pädagogischen Fakultät für die Fächer Musik / Germanistik (1950–1954) aufnahm. Dass nach dem ersten Studienjahr die Richtlinie erlassen wurde, nach der Musiklehrer nur ein Fach belegen sollten und sie sich damit ganz auf die Musik konzentrieren konnte, kam ihr sehr gelegen. Nur 100 D-Mark Stipendium hatte sie zur Verfügung für ihre Miete, Klaviermiete, Noten, Essen u.s.w., weshalb sie nebenher Klavierunterricht gab, Partituren für die Musikbibliothek abschrieb – für wenig Geld. Der erste Einsatz nach dem Studium erfolgte an der Fachschule für Kindergärtnerinnen in Halle. 30 Jahre lang unterrichtete sie (Diplom Oberstufe) insgesamt Musik, an verschiedenen Schulen, Kinder der Klassen 1–12. Bis heute hat sie das Unterrichten nicht eingestellt. 13 Schüler werden von der Instrumentallehrerin für Klavier, Gitarre und Blockflöte in jeder Woche noch an der Musikschule Bitterfeld unterrichtet, nach dem Motto, das ihr hoch verehrter Prof. Reuter den Studienabgängern mit auf den Weg gab: „Erziehen zur Musik – Erziehen durch Musik“. 1985 hatte Ursula Frotscher Jahre intensivster Arbeit durchlebt, die sie auch neben dem Unterricht forderten (Fachberater für Musik im Kreis Bitterfeld, Aufbau und Leitung mehrerer Chöre und eines Musiktheaters), als sie jäh aus diesem Tun gerissen wurde. Ihre Erkrankung tat ihr das Schlimmste an, denn sie schwächte nicht nur den Körper, sondern auch das Gehör. Dass der Hörnerv sich später regenerierte, verdankt sie sicher auch ihrem Sohn Frithjof, der mit seinem medizinischen Fachwissen (Kinderarzt, Psychotherapeut) den Vermutungen der Ärzte ein Ende machte, und die beste Behandlung in der Uniklinik Halle veranlasste. Sie ist stolz auf ihn, wie auch auf Tochter Frauke (Lehrerin) und Sven (Archäologe und Autor) und allen drei Kindern dankbar für die Schar von elf Enkeln (von denen einige die gleiche große Leidenschaft zur Musik ausleben) und zwei Urenkeln. Ehemann Frank kann die Entwicklung der Enkel und Urenkel leider nicht mehr verfolgen. Er starb im Jahr 1995 und geblieben ist die Erinnerung an einen treuen Wegbegleiter, der in ihrer schwersten Zeit, die zur Invalidität führte, täglich an ihrer Seite war, ihr Mut machte, an sie glaubte.
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