MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dietmar Fritz
„Platz geht vor Geld“
Ara-Züchter
Rudolf-Breitscheid-Str. 26
06766 Thalheim
Fon: 03494 / 27469
In Thüringen 1951 geboren, absolvierte Detmar Fritz hier die 8. Klasse und eine Lehre zum Maurer. In einem Jahr beginnend, als in der DDR vorwiegend Arbeitskräfte in der LPG und auf dem Bau gesucht wurden, war die Wahlmöglichkeit nicht sehr groß. Aber ihm war vor allem wichtig, das Elternhaus verlassen zu können und eigenes Geld zu verdienen. Das Verhältnis zur Stiefmutter war nicht besonders gut und der Vater war zu harmoniebedürftig, um ihn in dieser Auseinandersetzung zu unterstützen. „So bin ich dann zum Rumtreiber geworden und wollte immer fort, nur fort, zu Hause raus...“, erzählt er heute. Dass er dabei auch eine Flucht in den Westen antrat, brachte ihm als 17-jähriger eine Verurteilung zu zwei Jahren Haft wegen versuchter Republikflucht ein, eine Unterbrechung der Lehre und anschließende Repressalien im Lehrbetrieb. Lange ließ er sich das nicht gefallen. Er suchte und fand verschiedene Möglichkeiten als Arbeiter sein Geld zu verdienen, kam letztendlich in der Filmfabrik Wolfen auf dem Holzplatz an, wo man mit schwerer Knochenarbeit bei Holzentladung gutes Geld verdienen konnte. „Ich habe immer so gearbeitet, wie ich Lust hatte und wie ich Geld brauchte“, beschreibt er sein damals freiheitliches Denken und dass deshalb auch die Arbeitsstellen wechselten. In der Filmfabrik Wolfen wurde er sesshaft. Auch, weil er hier fand, was ihm immer gefehlt hatte: Familie. Ehefrau Gudrun (geheiratet 1971, verstorben 2007) lernte er im Betrieb kennen. Die Kinder Bianca, Ronny, Christian und Stefanie wurden geboren. Sieben Enkelkinder sind indessen noch dazugekommen. Dietmar Fritz erlangte den Facharbeiterabschluss als Maschinist für Kältetechnik, arbeitete im Beruf bis zur Wende. Danach wurde er vom Arbeitsamt als Entsorger im Abriss im Rahmen von ABM eingesetzt. „Die Papierfabrik Bitterfeld haben wir abgerissen, das Schwimmbad haben wir platt gemacht....“, erzählt er. Immer wieder gab es Phasen der Arbeitslosigkeit und ab 1999 endlich Arbeit auf dem Bau. Er erlebte hier ein Auf und Ab und als er im Dezember 2013 entlassen wurde, waren in seiner Firma nur noch sechs Beschäftigte verblieben. Ab Sommer 2014 Rentner, will er sich seinem Hobby – der Zucht von Aras – widmen. Siebzehn Tiere hat er zurzeit, die vier Arten angehören. Auch wenn er züchtet, um Tiere abzugeben, ist diese Abgabe doch indessen ein sensibles Thema für ihn. Er wählt die Empfänger gut aus und „Platz geht vor Geld“, bei seiner Entscheidung. Seine beruflichen Fähigkeiten nutzt er jetzt im privaten Bereich. Das Haus des Sohnes wurde gemeinsam um- und ausgebaut, das eigene Haus wird umfassend saniert. Die Tochter und die beiden Enkel, die mit bei ihm wohnen, sollen sich wohl fühlen. Das Glück seiner Kinder ist sein größter Wunsch.