MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Waltraud Fritsch
Nicht alle Klassen belegt und doch Lehrerin geworden!
Pfeffermühlenweg 35
06905 Bad Schmiedeberg OT Trebitz
In Ostpreußen 1938 geboren, wurde das Mädchen Waltraud im September 1944 noch eingeschult, musste aber bereits im Januar 1945 mit der Familie die Flucht antreten. Über zwei Jahre führte sie dabei der Weg durch Polen, bevor sie im August 1947 in Dommitzsch ankamen. Nach sechs Wochen Quarantäne wurden die Flüchtlinge auf die umliegenden Orte verteilt und ihre Familie dabei nach Sachau verwiesen. Nochmal in die erste Klasse eingeschult, musste sie in Folge mehrere Klassenstufen parallel belegen oder auch überspringen und 1952 in der 8. Klasse entscheiden, wie sie sich beruflich entwickeln wollte. Gerne wäre sie zur Bahn gegangen, doch der Schuldirektor sah anderes Potential in ihr und trug damit gleichzeitig dem Umstand Rechnung, dass dringend der bestehende Lehrermangel beseitigt werden musste. So durchlief Waltraud Fritsch eine Ausbildung zur Unterstufenlehrerin, schloss diese 1957 erfolgreich ab. Mit 19 Jahren noch sehr jung, stand sie nun vor einer Klasse mit 35 Kindern, teilweise aus Familien mit Akademikern und höheren Berufen stammend – eine große Herausforderung, wie sie heute gerne zugibt. Kurz darauf lernte sie ihren Mann Eduard (geb. 1934, gelernter Tischler) kennen und heiratete 1958. Dadurch nach Bad Schmiedeberg und Trebitz verzogen, lehrte sie ab da 39 Jahre an der Schule in Trebitz bis zur Rente (1998). Aus so mancher umliegend ansässigen Familie hat sie erst die Eltern, später deren Kinder unterrichtet, ist bekannt im Ort, weckt Erinnerungen bei den Menschen. Eigene Kinder haben ihr Mann und sie großgezogen (Kerstin, geb. 1962, Gastronomin und Sabine geb. 1963, Informatikerin), drei Enkelsöhne bereichern die Familie. Mit der Schule ist sie auch nach dem Ausscheiden aus dem Lehrerberuf verbunden geblieben. Einmal im Jahr – um die Weihnachtszeit herum – treffen sich ehemalige Kollegen, genießen Kultur, Gespräche und ein gutes Essen. In ihrem Ehrenamt bei der Volkssolidarität als Sportverantwortliche geht sie ständig in „ihrer“ ehemaligen Schule ein und aus. Den früheren Schulgartenunterricht hat sie indessen durch eigene Arbeit im kleinen Garten ersetzt. Und sie erinnert sich heute noch gerne an die erfolgreiche Anerkennung ihres Schulgartenunterrichts „Ein Traum – naturnah gärtnern“, denn im 40 Dienstjahr gewann sie mit den Kindern der 1.–4. Klasse eine Reise auf die Insel Mainau und eine Geldprämie von 1000 DM beim „Bundesweiter Schulgartenwettbewerb 97 der BADENIA“ und empfing die Prämie aus den Händen der Gräfin Bernadette bei einer Veranstaltung auf der Blumeninsel. Auch die erhaltenen Pestalozzi-Medaillen in Bronze, Silber und Gold erinnern an eine schöne und erfolgreiche Zeit im Lehrerberuf. Ohne Vater und als Flüchtlingskind aufgewachsen, hat sie alles aus eigener Kraft geschafft: Eine tolle Familie, ein erfolgreiches Berufsleben und ein eigenes kleines Häuschen. Mit Recht ist sie stolz auf diese Lebensleistung. Ein klein wenig Wehmut hat sie jedoch immer im Herzen behalten: Den Verlust der Heimat mit ihrem Wald, den Wiesen und Seen.