MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Hans-Jürgen Frommelt
„Ich bin nun mal Indianer und kein Häuptling!“
Diplom-Ingenieur-Pädagoge für Textiltechnologie
07957 Langenwetzendorf
E-Mail: Hafromm@aol.com
Hans-Jürgen Frommelt, 1954 in Greiz geboren, wollte Werkzeugmacher werden. Und das hatte mit den Berufen der Eltern wahrlich nichts zu tun. Der Vater war Richter und Notar, die Mutter Buchhändlerin. Aber alles kam ganz anders. Sohn Hans-Jürgen absolvierte Anfang der 1970er Jahre in den Carl-Zeiss-Werken in Jena eine Berufsausbildung zum Feinmechaniker mit Abitur. Danach wollte er Mathematik und Physik studieren. „Vorher leistete ich meinen Wehrdienst bei den Grenztruppen ab. Weil ich mich dem Schießbefehl widersetzte und auch nicht länger dienen wollte, klappte es mit dem Studium nicht. Deshalb studierte ich Ingenieur-Pädagogik für Textiltechnologie an der Technischen Universität in Dresden“, erzählt Hans-Jürgen Frommelt. 1979 fing er an der Berufsschule „Junge Garde“ in seiner Geburtsstadt als Lehrer für Berufstheorie und technische Grundlagen an, lehrte in verschiedenen Textilfächern, unterrichtete angehende Bekleidungsnäher und Weber auch in Elektronik und Betriebsökonomie.
Nach der Wende blieb ihm zwar seine Arbeitsstelle erhalten; alles andere aber änderte sich. „Jetzt gebe ich Unterricht in den Fächern Betriebswirtschaftslehre, Rechtskunde, Qualitätsmanagement, Kranken- und Altenpflege. Um Sozialkunde zu lehren, absolvierte ich 1992 extra ein Fernstudium für Politikwissenschaften. Weil niemand diesen Unterricht erteilen wollte, machte ich das, entwickelte nebenbei Lehrpläne und war Lehrer an einer Volkshochschule“, sagt Hans-Jürgen Frommelt und fügt hinzu: „Das Angebot, Berufsschulleiter zu werden, lehnte ich dankend ab. Ich bin nun mal Indianer und kein Häuptling! Stattdessen bin ich als Personalrat für alle Berufsschulen in der Region zuständig. Das ist die spannendste Zeit meines Lebens. Ich besuchte sogar eine Weiterbildung des Beamtenbundes. Wir haben bisher viel erreicht. Unsere Schule steht gut da.“
Bürokratie, Ignoranz und Geldgier machen Hans-Jürgen Frommelt zornig. Offenheit schätzt er an anderen Leuten. Seit über 50 Jahren spielt er in verschiedenen Vereinen und Ligen erfolgreich Schach, mag Klassik, Rock- und Popmusik, Blues und Jazz, kocht und isst gern. Seine Frau verstarb bereits 2008.
Obwohl Hans-Jürgen Frommelt zur SED-Mitgliedschaft überredet worden war, nahm er 1989 an den Montagsdemonstrationen und am Friedensgottesdienst in der Dresdener Kreuzkirche teil. Er sei kein Stalinist, sondern ein Freigeist.