MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ursula Friedrich
„Wer sich heute freuen kann, der soll nicht bis morgen warten.“ (Johann Heinrich Pestalozzi)
Lehrerin
Schönbacher Str. 43 b
04651 Bad Lausick OT Glasen
Fon: 034345 / 22755
Trotzdem die Eltern der 1933 geborenen Ursula Friedrich (geb. Bäßler) sich scheiden ließen und das Mädchen ihren Vater kaum kennenlernte, berichtet sie von einer sehr schönen Kindheit. Mutter, Bruder und sie lebten bei den Großeltern in Güldengossa, wo sie mit vielen Nachbarskindern spielen konnte. Sie erinnert sich aber auch an die kriegsbedingten Geschehnisse: Das Ankommen der Umsiedler und Flüchtlinge. Die Strapazen die sie ertragen hatten, die wenige Habe die ihnen verbleiben war. Und an die Luftangriffe, die sie miterlebte, wie der am 20.10.1943, der Dach und Fenster des Hauses zerstörte und der vom 04.12.1943, der mühsam repariertes erneut entzwei gehen ließ. Glas gab es indessen sowieso kaum noch, so dass die meisten Fenster nur noch mit Brettern vernagelt werden konnten. Einquartierungen folgten – Soldaten aus dem Lazarett die zum Aufräumen in Leipzig und Halle eingesetzt wurden. Doch die Großeltern taten alles um den Kindern trotzdem etwas Normalität und Geborgenheit, z. B. mit Märchenvorlesen, zu vermitteln. 1940–1948 besuchte das Mädchen Ursula die Schule und hatte das Glück durchgehend unterrichtet zu werden, weil der sehr alte Lehrer nicht zum Krieg eingezogen wurde. Das Schulgeld für die weiterführende Oberschule (20 Mark im Monat) brachten Mutter und Großeltern zusammen auf, doch bald wurde das unmöglich: 1953 wurden die als Großbauern geltenden Großeltern (25 ha Land) acht Wochen vor Weihnachten bedingungslos enteignet. Ein ¾ Jahr später durften sie auf ihren Hof zurück, mussten jedoch für die zwischenzeitliche Bewirtschaftung finanziell aufkommen. Die junge Ursula musste die Oberschule verlassen, fing 1950 im Landwirtschaftlichen Institut in Leipzig als Versuchstechnikerin an. Unverträglichkeit mit den Chemikalien und ein Unfall zwangen zur Beendigung dieser Arbeit. Sie folgte der Empfehlung ihres ehemaligen Lehrers und nahm in Leipzig ein Lehrerstudium auf. Durch die Absolventenlenkung nach Mutzschen verpflichtet, erlebte sie 1951–1954 an der dortigen Schule ihre ersten und sehr schönen Lehrerjahre. Danach nach Glasten und Ballendorf versetzt, arbeitete sie weiter als Grundschullehrerin bis 1961. Im Jahr 1959 hatte sie ihren Mann Friedrich (Schmiedemeister, verstorben 2015) geheiratet. Die Töchter Wiebke (geb. 1960, Textilzeichnerin) und Heide (geb. 1965, Wirtschaftswissenschaftler) wurden geboren. Familiäre Gegebenheiten führten zum Aussetzen der Lehrertätigkeit und späterer Arbeit als mithelfende Ehefrau im Handwerksbetrieb ihres Mannes. 1972 kehrte sie in den pädagogischen Beruf zurück. Sie lehrte nach einem Jahr Arbeit in einem Kinderheim bis 1991 an einer Schule in Bad Lausick. „Ich bin zufrieden mit meinem Leben...“ blickt sie zurück. Mit Tapferkeit überstand sie schwere Zeiten, getreu ihrem Anspruch: „Es muss immer weitergehen....“ Die ehemalige Volksvertreterin der DDR und Mitglied des Heimatvereins Glasten war stets gesellschaftlich engagiert. 40 Jahre Arbeit in der Gemeindebibliothek zeugen davon und entsprachen dem eigenen Hobby: Das Lesen. Handarbeiten kann sie nicht mehr machen und von ihren Tieren musste sie nach einem Unfall leider trennen. Das sind Einschränkungen die das Alter mit sich bringt. Dafür freut sie sich um so mehr über die regelmäßigen Treffen mit ehemaligen Kolleginnen und Kollegen. Stabile Gesundheit ist der einzige Wunsch den sie hat, denn Glück ist für sie Zufriedenheit und zufrieden fühlt sie sich.