MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Dankward Freytag

„Erst kam die LPG, dann die Familie...“

Dankward Freytag

Lindenallee 9
06780 Zörbig OT Salzfurtkapelle
Fon: 03494 / 31744

Als Dankward Freytag 1939 als Sohn von Landwirten geboren wurde und 1953 die Schule abschloss, war es üblich, dass das Fortbestehen des elterlichen Betriebes im Vordergrund stand. Somit war für ihn, als einziger Junge in der Kinderfolge, eine Ausbildung im Betrieb der Eltern nur folgerichtig. Die nahm er dann auch auf, schloss sie 1955 ab. Er blieb nicht auf der Entwicklung stehen, erlangte 1956 den Abschluss als Meister der Landwirtschaft. Auf der 2. Parteikonferenz der SED waren im Juli 1952 bereits Maßnahmen zur Bildung von Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften verabschiedet worden und in den Folgejahren wurde massiv geworben, überzeugt, überredet, darauf gedrungen, dass die Einzelbauern sich diesen Genossenschaften anschlossen. Lange hatten sich die Eltern und vor allem Dankward Freytag gesträubt. Im Herbst 1958 dann traten sie der LPG Typ I bei. Sein Studium 1959–1962 an der Fachschule Naumburg schloss er nicht nur erfolgreich als Staatlich geprüfter Landwirt ab, er lernte hier auch seine Frau Heide kennen, heiratete sie ein Jahr später. Im Assistenzjahr noch auf unterschiedliche Volkseigene Güter vermittelt, kehrten sie später nach Salzfurtkapelle zurück. Sohn Jörg wurde geboren (1963, arbeitet heute in Agrargenossenschaft), 1970 folgte Sohn Steffen (heute Wirtschafsprüfer). Dankward Freytag arbeitete ab Februar 1963 in der LPG, erlebte die verschiedenen Stufen der Umwandlung der Kooperationen und trug Verantwortung als Abteilungsleiter für unterschiedliche Bereiche in dieser Zeit. „Unsere Kinder kannten ihn kaum“, erzählt Heide Freytag heute, und dass er im Dunkeln das Haus verließ und im Dunkeln betrat, weil seine Arbeit enormen Zeiteinsatz erforderte. Mit der Wende arbeitete die LPG vorerst wie gehabt, ab 1991 löste sie sich auf durch Ausgliederung ehemaliger Bauernhöfe und Alteigentümeransprüche. Dankward Freytag gründete mit einem Kollegen die Agrargenossenschaft, stand ihr als einer der beiden Geschäftsführer vor – zuständig für die gesamte Pflanzenproduktion. Bis Dezember 2004 arbeitete er so, übergab dann an seinen Nachfolger und genießt seitdem das Rentendasein, weiter verbunden mit der Genossenschaft durch seine Arbeit im Aufsichtsrat. Heide Freytag erlebte den Wandel der Zeit ab 1989 nicht mehr im Berufsleben mit. Nach ihrem Studium hatte sie als Brigadier für Geflügel gearbeitet, war in Folge der Schwangerschaften, Geburten und Kinderbetreuung in der Lohnwirtschaft, Materialwirtschaft, als Sekretärin und in der Rinderdokumentation tätig gewesen, bevor sie kurz vor der Wende Invalidenrentnerin wurde. Offenheit und Ehrlichkeit waren die Freytags zur DDR-Zeit gewöhnt, aber auch ökonomische Grenzen und Beeinträchtigungen in der Entscheidungsfreiheit. Dass sich dieses Verhältnis jetzt verkehrte, hieß Lehrgeld zahlen und Enttäuschung hinnehmen. Beide verweisen auf historische Dokumente in ihrer Hand. Sie auf die alte Trabant-Anmeldung, deren Wartezeit zur Wende fast abgelaufen war. Er auf die Ergebnisse der ersten freien Wahl, die er als Wahlauszähler mit feststellen konnte. Diese Zeitdokumente können sie später den vier Enkeln zeigen, ergänzend zu der Erzählung aus ihrem Leben im Wandel der Zeit.
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