MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Monika Franke
„Bei mir war doch nichts groß los...“ – Worte einer unermüdlichen Frau
Zwirnerin
Staatlich anerkannte Krippenerzieherin
Viebigweg 23
09573 Leubsdorf OT Marbach
Am 23.06.1947 wurde das Mädchen Monika Köpke in Bettlern (Kreis Breslau) geboren. Heute erinnert nur noch ein kleines Foto an den Tag, als ihre Eltern mit einem kleinen Rucksack, sonst alles stehen und liegend lassend, den letzten Zug nach Deutschland nahmen und die Heimat verließen. Freiwillig taten sie das nicht. Die russischen Besetzer hatten sie zuvor aufgefordert die polnische Staatsbürgerschaft anzunehmen oder das Land zu verlassen. In den 1970-er Jahren besuchte Monika Franke mit ihren Eltern einmal ihren Geburtsort. Sie wollten die Heimat wiedersehen. Mit fließendem Polnisch fragte der Vater die neuen Bewohner ob es möglich wäre die frühere Wohnstätte einmal anzuschauen. Die Antwort: Mit Polizei-Eskorte mussten sie den Ort verlassen, sollten sich nicht wieder blicken lassen. Ein alter Pfarrer jedoch gewährte Einblick in die Kirchenbücher, ermöglichte Kontakt zu einer Schulfreundin der Mutter und damit doch noch ein wenig Erinnerungspflege. Die Vertreibung überstand die Familie damals den Umständen entsprechend. Während die Mutter mit Tochter Monika erst einmal ins Krankenhaus musste, kam der Vater nach Flöha-Plaue. Hier erhielt die Familie in einer Fabrikantenvilla eine Bodenkammer zugewiesen, die mit geschenkten Sachen eingerichtet wurde. Er selbst wurde in den Uranbergbau vermittelt und langsam begann die Familie wieder einen normalen Alltag aufzubauen. Monika Franke spricht trotz alledem von einer sehr schönen Kindheit und Jugend, in der es ihr und den beiden Geschwistern an nichts fehlte. Das, obwohl die Eltern mittellos neu anfangen und jeden Pfennig zigmal umdrehen mussten. 1954–1962 besuchte sie die Schule, engagierte sich innerhalb der FDJ mit der Durchführung von Pioniernachmittagen in den jüngeren Klassen. Mit Kindern zu arbeiten machte ihr unbändige Freude. Sie wollte einen Beruf in dieser Richtung ergreifen, Lehrerin werden. Die Möglichkeit dazu erhielt sie nicht. Auch nicht die, den zweiten Wunsch Friseurin zu verwirklichen. Letztendlich trat sie eine Lehre im VEB Texturseide zur Zwirnerin an, schloss sie mit Bravour ab. Aber Freude machte ihr der Beruf nicht. Schwangerschaft und Geburt von Tochter Bianka (1965) änderten die berufliche Laufbahn. Das angebotene Ingenieurstudium schlug sie aus, bewarb sich stattdessen ungelernt als Erzieherin für eine neu erbaute Kinderkrippe. Im Direktstudium erlangte sie den Abschluss als staatlich anerkannte Krippenerzieherin, arbeitete bis 1976 in der Kinderkrippe. Nachdem sie ihren ersten Mann durch einen Unfall verlor, lernte sie 1974 einen neuen Lebensgefährten kennen und zog 1975 nach Marbach. Der geschiedene Siegfried Franke brachte die beiden fast erwachsenen Kinder Steffi und Jonny mit in die Familie. Monika Franke war nun nicht nur Berufspendler, sondern auch dreifache Mutter und Hausfrau und zudem nebenher mit der Buchhaltung im selbstständigen Handwerksbetrieb ihres Mannes (Elektroinstallationsfirma) betraut – eine kräftezerrende Herausforderung. Veränderung musste her und kam in Form einer 4-Stunden-Tätigkeit in der BHG (Bäuerliche Handelsgenossenschaft) Eppendorf. Was mit Handarbeit begann, wurde durch Fakturierapparat optimiert und führte zur Strukturverschlankung der Verwaltung. Monika Franke war nun in der Abteilung Forderungen und Verbindlichkeiten tätig und im Zuge weiterer betrieblicher Veränderungen folgend im Handel der BHG sowie ab der Wende im Bankwesen. Zahlreiche Umschulungen befähigten für die neue Aufgabe, die sie bis zum Renteneintritt (zweitweise Filialleiterin) ausübte. Es waren Pionierzeiten die sie da miterlebte wie sie z. B. vom Geldumtausch DDR-Mark und D-Mark berichtet. Seit 2012 genießt sie ihren Ruhestand. Der Tod ihres Mannes Siegfried im Jahr 2017 hat sie sehr erschüttert. Die Hände hat Monika Franke trotz allem noch nicht in den Schoß gelegt. Das lässt schon das mit Mann und Tochter Bianka selbst erbaute Haus mit großem Grundstück nicht zu. Doch auch die stundenweise Arbeit im Seniorenheim will sie nicht missen. Lesen und Treffen mit Freundinnen bieten zusätzliche Ablenkung, denn nach wie vor schmerzt der Verlust ihres Mannes sie sehr.