MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Karl-Heinz Freiberg

Vom Überleben eines Chorsängers

Karl-Heinz Freiberg

Voßstr.10
06110 Halle / Saale
Fon: 0345 / 2027735

Karl-Heinz Freiberg ist ein Mensch, in dessen Biografie das Auf und Ab der politischen Entwicklung seine Spuren hinterlassen hat. Er wird 1938 geboren, der Vater ist Berufsmusiker, die Mutter arbeitet als Handelskauffrau. Musik spielt eine große Rolle in seinem Elternhaus. Seine Bewerbung für die Oberschule wird abgelehnt. Doch ein Jahr später, nach dem Volksaufstand am 17. Juni 1953, wird er angenommen und legt 1957 sein Abitur ab. Er möchte gern Schauspieler werden, doch man rät ihm ab. Er sei zu intellektuell in seiner Auffassung und kein proletarischer Typ. Wieder einmal scheint ihm die staatliche Ideologie im Wege zu stehen. Seine Eltern ermöglichen ihm eine private Gesangsausbildung. Er erhält einen Ausbildungsvertrag am Theater Annaberg und entschließt sich, Chrorsänger zu werden. Früh erkennt er, dass seine Stimme für eine Solokarriere nicht ausreicht. „Ich wollte lieber als Chorsänger mein Bestes geben, als als Solist nur Mittelmaß zu sein“, begründet Karl Freiberg seine damalige Entscheidung. Dabei hat er, besonders später in Halle, viele kleine und mittlere Rollen singen und spielen dürfen. Mit dem Opernhaus Halle konnte er an vielen Gastspielen im westlichen Ausland teilnehmen, fand aber Republikflucht unfair gegenüber dem Ensemble, dass dann eine jahrelange Sperre erleiden musste. Ab 1989 kommt es auch am Opernhaus Halle zu lebhaften Diskussionen über die Verhältnisse im Land und am Haus selbst. Nach der Wende kommen einige interessante Regisseure aus dem Westen und Karl Freiberg bekommt viele unterschiedliche Rollen. Mit 65 Jahren geht er in Rente, übernimmt aber auf Bitten des Intendanten eine Schauspielrolle in einem Musical, die er bis zu seinem 70. Lebensjahr auf der Basis eines Gastvertrages spielt. So hat sich der Kreis doch noch geschlossen. Karl Freiberg lebt mit einem Künstlerfreund zusammen, der früher in Berlin am „Haus der jungen Talente“ gearbeitet hat und ist sehr glücklich über sein ausgeglichenes Privatleben. Er meint, dass er als festangestellter Künstler von der Wende partizipiert hat. „Reich wird man da nicht, aber so hat man auch keine Angst, was man nach dem Tod alles zurücklassen muss“, meint er mit einem Augenzwinkern. Inzwischen schreibt er gern Kurzgeschichten und Satiren. Karl Freiberg ärgert sich oft bei Diskussionen über die DDR sowohl über übertriebene Nostalgie und Lobhudelei als auch über ihre bloße Reduzierung auf den Unterdrückungsapparat. „Sie sind der erste Ossi, der nicht nur meckert“, sprach ihn ein Ehepaar im Urlaub auf Ischia an. Das war vor 20 Jahren und die Freundschaft besteht noch immer.
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