MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Heidrun und Jürgen Fordran
„Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, leben muss man es vorwärts." (S. Kierkegaard)
Dipl.-Pädagogin
Chemiefacharbeiter, Dipl.-Chemiker, Dipl.-Pädagoge
Thomas-Mann-Str. 19
09648 Mittweida
1942 wurde Jürgen Fordan in Rostock und mitten in die Kriegszeit hineingeboren. Drei Jahre später suchte seine Mutter mit ihm Schutz vor den Bombardements auf die Stadt, indem sie zu ihren Eltern ins Pfarrhaus des Vaters nach Beerwalde zog. Eine gute Entscheidung, denn der Opa als Pfarrer hatte eine kleine Landwirtschaft und für den Jungen bedeutete das eine unbeschwerte Kindheit trotz schwieriger Kriegs- und Nachkriegszeit. Eingeschult in Beerwalde, lernte er wegen Umzugs der Familie nach Mittweida dort weiter und entschied mit Beginn des Chemieunterrichts, einmal in dieser Richtung einen Beruf zu ergreifen. Nicht aus einer Arbeiterfamilie stammend und zudem das Absolvieren eines Wehrdienstes ablehnend, gestaltete sich sein Weg, erst auf die Oberschule, und später zum Studium schwierig. Zu einem Direktstudium wurde er nicht zugelassen. So nahm er nach dem Abitur die Arbeit in der Produktion des VEB Fettchemie Karl-Marx-Stadt auf, „bewährte sich zwei Jahre in der Produktion“, wie es damals hieß. In dieser Zeit erwarb er den Chemiefacharbeiter-Abschluss und war an der TU Dresden vorimmatrikuliert. Mit einem Freund reiste er in 1960 zum Kirchentag nach Westberlin und fiel damit erneut unliebsam auf. Es folgte die Exmatrikulation und ein weiteres Jahr „Bewährung in der Produktion“. 1963–1968 konnte er schließlich doch noch studieren und erlangte die Abschlüsse Dipl.-Chemiker und Dipl.-Pädagoge. Interessiert an der Biochemie, orientierte er sich in medizinischer Richtung und wurde Laborleiter in der Vereinigten Gesundheitseinrichtung Kreis Hainichen. Während der politischen Wende in der DDR leitete er Diskussionsforen und -runden. Als nach der Wiedervereinigung Führungswechsel in allen Bereichen vollzogen wurden und in dem Zusammenhang die komplette Krankenhausleitung zurücktrat, wurde er zum ärztlichen Direktor des Kreiskrankenhauses berufen – ohne selbst Mediziner zu sein. Partnerschaften mit anderen Krankenhäusern und Einrichtungen in den alten Bundesländern halfen bei der Einführung der neuen Verwaltungsstrukturen, sowie wirtschaftlichen Abrechnungs- und Verfahrensweisen. Die neu geschaffenen Strukturen führten später dazu, dass aus dem ärztlichen Direktor Fordan der Verwaltungsleiter Fordan wurde und schließlich 1994 die Entlassung folgte. „Machtstrukturen siegten über fachliche Kompetenzen,“ kommentiert er heute sachlich die Neubesetzung seiner Stelle. In einem Freiberger Privatlabor fand er Anstellung im Außendienst (drei Jahre / Werbung), arbeitete dann in einem anderen Labor als Prokurist weiter bis zum Eintritt in die Rente (2007). Ehefrau Heidrun (Hochzeit 1965) war da schon im Ruhestand (2003). 1941 in Mittweida geboren, lebt sie heute mit ihrem Mann in dem Haus, das einst ihr Opa baute. Ihr Vater fiel in den letzten Kriegstagen. Ihre Mutter lebte im besagten Haus und das Mädchen Heidrun wuchs hier, behütet von Mutter und Großeltern, auf. Finanziell war es oft knapp, doch die Mutter kümmerte sich aktiv, wodurch Heidrun die Schule bis zum Ablegen des Abiturs besuchen konnte. Anschließend studierte sie an der Pädagogischen Hochschule Potsdam (1960–1964, Dipl.-Pädagogin, Mathematik und Geografie) und fand als Lehrerin ersten Einsatz in der Ottendorfer Schule. Zehn Jahre später wechselte sie an die Fichteschule nach Mittweida, blieb hier bis zum Renteneintritt tätig. „Meine erste Klasse sind jetzt schon Rentner und aus allen ist etwas geworden,“ berichtet sie von der Erinnerung an ein berührendes Klassentreffen. Das trifft auch für die eigenen Kinder zu. Holger (geb. 1969) ist Dipl.-Chemiker, Sabine (geb. 1975) Juristin geworden. Sechs Enkel zählen indessen auch zur Familie. Von allen berichten die Fordrans mit großem Stolz und sie wünschen sich, dass sie weiter friedvoll ihren Weg fortsetzen können in einem einigen Europa.