MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Alfred Franke
Berliner Maurer liebt keine Berliner Mauer
Rentner
Ruwersteig 29
12681 Berlin
In der Hauptstadt lebt Alfred Franke von Kindheit an. Die politischen Systeme, die er hier erleben sollte, haben sein Leben geprägt, ihn aber nicht korrumpieren können. Als er 1930 geboren wurde, war der Vater arbeitslos, später fiel er im zweiten Weltkrieg. Die Heimat der Familie war die Gartenkolonie, in der sie recht primitiv wohnten, aber die Möglichkeiten bot, Obst und Gemüse anzubauen, Kaninchen und Hühner zu züchten. Das half in manch finanziell klammer oder versorgungstechnisch schwieriger Zeit. Mit vierzehn Jahren beendete er 1945 die Volksschule, bekam sofort den Gestellungsbefehl. Vor der deutschen Wehrmacht flüchtete er zur Oma nach Pasewalk, dann vor der Roten Armee ins Holsteinische. Im August 1945 ging es zurück nach Berlin, nun warf ihn erst einmal eine Krankheit nieder. Später gesellten sich zu den Trümmerfrauen die Trümmerkinder wie er. Mit Handwagen waren die Steine der zerstörten Häuser abzufahren. Dann konnte er mit dem Maurerberuf doch ein hartes, aber solides Handwerk gründlich erlernen. Seine erste Baustelle als Lehrling war die Frauenklinik der Berliner Charité. 1949 legte er die Prüfung ab. Neben der Tätigkeit im Job galt es nun, die Wohnverhältnisse zu verbessern, Schuppen, später das Haus auszubauen. Mit Stolz blickt er noch heute auf eigener Hände Arbeit. In einem privaten Betrieb, der später volkseigen wurde, gehörte er zu jenen, die am Wiederaufbau Berlins in den fünfziger Jahren großen Anteil hatte. Häuser in den Stadtteilen Weißensee und Köpenick oder die Fassaden der einstigen Stalinallee, später Karl-Marx-Allee bezeugen das Werk von ihm und seinen Kollegen. Als Betriebshandwerker, später auch Heizer der Berliner Werkzeugmaschinenfabrik (BWF) Marzahn konnte Alfred Franke auch die letzten sechzehn Jahre seines Berufslebens erfolgreich gestalten. 1990 ging er nach vierundvierzig Arbeitsjahren in Rente.
Die Öffnung der Berliner Mauer im November 1989, am Tag als die Familie die Hochzeit des Sohnes feierte, betrachtet er als glückliche Entwicklung. Auf diese Mauer konnte niemand stolz sein.
Als 1961 seine erste Frau starb, stand er mit vier Kindern alleine da. Aber er konnte auch seine familiären Pflichten nach und nach managen, heiratete 1964 erneut, ist aber seit 2006 verwitwet. Fünf Kinder, fünfzehn Enkelkinder gehören zum Ertrag seines Lebens. Regelmäßig genießt er die Atmosphäre von Hoppegarten, der Berliner Pferderennbahn.