MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Nikolaus Foellmer
Morsezeichen
Rentner
Langhoffstr. 4
12681 Berlin
Das Morsealphabet ist ihm immer noch geläufig. Lange Jahre gehörte der Funkverkehr zwischen Schiff und Land und den Schiffen untereinander zu seinen täglichen Pflichten.
Geboren wurde Nikolaus Foellmer 1937 im münsterländischen Ahaus. Die Kriegsereignisse griffen in sein Leben ein, bei Verwandten in Siemerode (Eichsfeld) fand er Aufnahme, konnte dann 1943/55 das Domgymnasium (später Ernst-von Harnack-Oberschule) in Merseburg besuchen, das Abitur ablegen. Eine Anzeige der Seereederei Rostock fand sein Interesse, er bewarb sich für die Funker-Ausbildung, bestand die Vorprüfung und erhielt die Möglichkeit, an der Seefahrtschule in Wustrow zu studieren. Als Funkoffizier erhielt er 1957 das Patent für die 2. Klasse, wurde später als Ingenieur für Seefunk eingestuft und konnte 1967 auch das Patent für die 1. Klasse erwerben. Zehn Jahre fuhr er für die Deutsche Seereederei Rostock, war auf Fracht- und Containerschiffen, auf Tankern und Passagierschiffen bis hin zum DDR-Traumschiff „Völkerfreundschaft“ im Einsatz, lernte so die Weltmeere kennen. Allein vierzehnmal durchquerte er den Suez-Kanal, gelangte so bis Ostasien. Über die Küstenfunkstation Rügenradio stellte er den Kontakt der Mannschaften zu ihren Angehörigen in der Heimat her, ein besonders zu Feiertagen hoch beanspruchter Service. Mehr Privatleben wurde möglich, als er als Funkoffizier auf die Fährschiffe wechselte, die die DDR mit den Ostsee-Anrainerstaaten verbanden. Regelmäßig bediente er mit seinem Fährschiff die Route Trelleborg-Sassnitz und später Warnemünde-Gedser, sorgte mit seinem zuverlässigen Einsatz dafür, dass Passagiere, Fracht und die kompletten Eisenbahnwaggons ihren Weg nach Schweden und zurück fanden. Wegen der Eisenbahnverbindung unterstanden die Fährschiffe nicht der Seereederei, sondern der Deutschen Reichsbahn. Als die DDR-Strukturen ihr Ende fanden, konnte Nikolaus Foellmer, der fast die ganze Welt gesehen hatte, zum ersten Mal den Westteil Berlins kennenlernen. Nach langen Dienstjahren nutzte er die Möglichkeit, mit Altersübergangsgeld gleitend in Rente zu gehen.
Der getrennt lebende Vater zweier Kinder (dazu ein Enkelkind) schätzt nach wie vor die sportlichen Herausforderungen, er war Kapitän einer Tischtennismannschaft beim TSG Oberschöneweide, trainiert zweimal die Woche. Früher spielte er Fußball im Bezirksliga-Team von Motor Rostock.