MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

Gesamte Liste anzeigen

Egon Bader

„Ein Baum, der in einer Höhle wächst, trägt keine Früchte.“ Khalil Gibran

Egon Bader

Hermann-Duncker-Str. 44
06886 Lutherstadt Wittenberg
Fon: 03491 / 5064422

Egon Bader, 1933 geboren, ist frustriert. „Den DDR-Bürgern hat man die Ehre genommen...“, berichtet er und erinnert an die Zeit der Wende. Die Werktätigen haben das Nordwerk selbst aus dem Nichts aufgebaut, mit Exporten erreicht, dass er 1985 bezahlt war und hatten das Zutrauen, ihn nach der Wende in eigener Verantwortung weiterzuführen. Doch man verweigerte ihnen Übergangskredite, verkaufte das erst 1970 angefahrene Werk, entließ die Beschäftigten. Nur wenige Spezialisten konnten bleiben. So wurden die Arbeiter schonungslos von ihrem Volkseigentum enteignet, zudem ihrer Arbeit beraubt. Viele fassten nie wieder Fuß. Das damals modernste Werk Europas, das die Japaner gebaut hatten wurde abgewickelt und veräußert – ein trauriges Kapitel ihres Lebens. 1955 hatte er die Schule beendet und eine Lehre zum Chemielaboranten absolviert, bevor er im Polytechnikum Köthen Chemie studierte und dieses 1955 als Ingenieur verließ. Acht Jahre in der Forschung des VEB Stockstoffwerke Piesteritz eingesetzt, wurde er danach der jüngste Themenleiter innerhalb der Forschung und erhielt nach Abschluss des Forschungsthemas die Chance den Betrieb, der in der DDR damals den ersten und billigsten Kunststoff herstellte, als stellvertretender und später als Betriebsleiter zu übernehmen. Für ca. 250 Beschäftigte trug er Verantwortung, wechselte nach 20 erfolgreichen Jahren in die Kombinatsleitung. Hier erlebte der mehrfach für seine Arbeit Ausgezeichnete die Wende, seine Versetzung in den Vorruhestand und fand sich zu jung und dynamisch, um die Hände in den Schoß zu legen. Bei Creditreform arbeitete er im Außendienst und hatte kurioserweise wieder u. a. in dieser Funktion wieder mit seinem ehemaligen Betrieb Kontakte zu pflegen. Die Kinder der Eheleute Bader haben ihren Weg gefunden: Ulrich ist Sozialpädagoge, Steffi Kaufmännische Angestellte, mit Qualifizierungen nach der Wende zur Steuerfachgehilfin und zur Wirtschaftsleiterin. Jetzt arbeitet sie als Qualitätsmanager in der Pharmaindustrie. Tochter Kristine – Diplomingenieur Technik – absolvierte nach der Wende ebenfalls mehrere Qualifizierung und ist nun im Personalwesen tätig. Ehefrau Susanne (geb. 1935, verheiratet seit 1956) und Egon Bader vermissen vieles aus der DDR-Zeit, besonders aber den Zusammenhalt, die Offenheit und Höflichkeit der Menschen. Natürlich gab es manchen Mangel in der DDR, doch dadurch war man auch aufeinander angewiesen, half sich. Zusammen wurde etwas geschaffen, was die Menschen mit Stolz und Würde erfüllte. Heute ist das anders, die Achtung der Arbeit und des Lebens der Anderen ist deutlich gesunken. Und Susanne Bader ist betroffen, wie bereits im Kinder- und Jugendalter Erziehung unterbleibt und mit rechtlichen Gründen beschönigt wird. Auf die eigenen Kinder und die vier Enkel ist Familie Bader stolz. Sie sind respektvolle Menschen, die ihren Weg gehen und viel Freude in die Familie bringen. Egon Bader und seine Frau hatten nie in Erwägung gezogen, die DDR zu verlassen. Auch nicht, als in den 50er Jahren sein Studienwunsch wegen Aufbegehren gegen die Armeedienst-Werbung keine Unterstützung fand. Er konnte sein Ziel letztendlich doch verwirklichen und fand es selbstverständlich, in dem Land, das diese Möglichkeiten bot zu bleiben. „Wir haben uns hier wohl gefühlt...“, sagt seine Frau dazu. Und das ist sicher das Wichtigste für ein zufriedenes, ehrliches Leben.
Gesamte Liste anzeigen

  • Der Verlag
  • Gesichter der Regionen
  • VWM-Info
  • Menschen und ihre Gesichter
  • Suche
  • Ihre Empfehlung
  • Unser Anliegen
  • Kontakt
  • Impressum
  • Datenschutz