MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Irene und Fredo Badstübner
Borsten, Bürsten, Haare, Pinsel
Rentnerin
Ingenieur-Ökonom
08237 Steinberg
Irene Badstübner kam 1933 in Riegersdorf (Kreis Strehlen, Niederschlesien) zur Welt, wo die Eltern ein Textilwarengeschäft betrieben. Der Krieg hinterließ seine Spuren (Flucht vor der nahenden Front), der Frieden danach, als sie Wohnung und Laden innerhalb einer Stunde räumen, 1946 das nun polnische Staatsgebiet ganz verlassen mussten, ebenso. Im Vogtland, in der Nähe von Auerbach wurden sie erneut sesshaft. Irene Badstübner besuchte die Schule in Wildenau (heute Ortsteil der 1994 gegründeten Gemeinde Steinberg). Nach Abschluss der Mittelschule ging es gleich zur Arbeit in die Bürstenfabrik. Später, als die drei Söhne geboren waren, erledigte sie, wie viele Frauen der Umgebung, Aufträge für das Werk in Heimarbeit. Sie gehörte zu den ersten, die statt Bürsten und Besen das Sortiment um Kleinpinsel erweiterten, Jodpinsel für die medizinische Anwendung, Schulmalpinsel, Künstlerpinsel. Bis 1993, als sie in Rente ging, widmete sie sich dieser Arbeit mit handwerklicher Geschicklichkeit.
In Wildenau ist Fredo Badstübner seit seiner Geburt 1932 heimisch. Hier besaß der Onkel die Bürstenfabrik Albert Wolf KG, die unter dem Markennamen „Vogtlandia“ ihre Waren vertrieb. Da auch sein Vater in diesem Werk arbeitete, kannte der Junge Fredo dort bald jeden Winkel. Die Volks- und die Hauptschule in Rodewisch, dann die Handelsschule in Auerbach vermittelten wichtige Kenntnisse, die durch die einjährige kaufmännische Lehre Praxisbezug bekamen. Danach stieg er in die Firma ein, die anfangs noch privat, dann mit staatlicher Beteiligung geführt wurde. Ende der 60er Jahre übernahm er die Verantwortung von seinem Onkel, musste jedoch 1972 erleben, wie die Behörden der DDR alles in volkseigene Betriebe umwandelten, die Albert Wolf KG zum Teil der VEB Bürstenwerke Schönheide-Wildenau wurde. Seine Erfahrung, durch ein fünfjähriges Fernstudium als Ingenieur-Ökonom in Dresden untermauert, wurde jedoch gebraucht, er wirkte nun als technischer Leiter des Betriebes, der fast 200 Leute beschäftigte, viele davon in Heimarbeit. Als 1990 die Reprivatisierung anstand, schien es ihm nicht mehr geraten, einen geschäftlichen Neuanfang zu wagen. Doch freut es ihn, dass es die Firma noch heute gibt, wenn auch keiner der Familie mehr den Namen „Vogtlandia“ vertritt.
Irene und Fredo Badstübner haben die Goldene Hochzeit längst glücklich feiern dürfen (Heirat 1956), freuen sich an ihren drei Söhnen.